Die weltbekannte, von Adrian Kohler und Basil Jones 1981 gegründete, südafrikanische Handspring Puppet Company macht Puppentheater für Erwachsene und steht in der politisch-engagierten Tradition des Marionettentheaters. Seit ihrer ersten Performance kämpfen sie unermüdlich gegen Rassismus und Fremdenhass. Mit dem südafrikanischen Künstler und Regisseur William Kentridge trat die Truppe in einen fruchtbaren Dialog zwischen Marionetten- und Videokunst, mit dem sie das Apartheid-Regime in ihrer Heimat anprangerten. Das traurige Schicksal der Tiere inspirierte die Handspring Puppet Company zu dem Stück "Gefährten" ("War Horse"), das lebensgroße Pferdemarionetten auf die Bühne brachte und internationale Erfolge erzielte. "Simply Peter" wiederum ist ein Statement gegen die Schiefergasgewinnung. Das hochpolitische künstlerische Engagement der Truppe wirft ein neues Licht auf den Stellenwert der Marionette als Gradmesser dessen, was öffentlich gesagt werden darf und muss.
Die Handspring Puppet Company, 1981 in Kapstadt gegründet, beheimatete unter der künstlerischen Leitung von Basil Jones und Adrian Kohler in den letzten Jahrzehnten Puppenspieler, Puppendesigner und -bauer. Ihre Arbeiten wurden in über 30 Ländern zur Premiere gebracht. William Kentridge stammt aus einer Juristen-Familie, die stark engagiert war im Kampf gegen die Apartheid. Angefangen hat er mit Zeichnungen, die in den 70er Jahren die politischen und sozialen Verhältnisse in Südafrika ansprachen. Ende der 80er Jahre begann er, die Bilder an die Wand zu projizieren. Das Gezeichnete wurde während des Films permanent verändert, übermalt, ausradiert. Später nahm Kentridge neue Elemente auf: reale Filme und Schattenspiele kamen dazu, es gab parallele Performances, Musik und Klänge. Der internationale Durchbruch gelang der Marionettentheater-Truppe mit ihren gemeinsam mit William Kentridge entstandenen Arbeiten, darunter "Woyzeck on the Highveld" (1992), "Ubu and the Truth Commission" (1997) und die Monteverdi-Oper "Il Ritorno d'Ulisse" (1998). Mit "The Chimp Project" (2000) beschäftigte sie sich zum ersten Mal mit der Darstellung von Tieren als Puppen, was mit "Tall Horse" (2004) eine Fortsetzung fand und 2008 zu "War Horse", ihrem bisher größten kommerziellen Erfolg führte. Die Produktion wurde am National Theatre in London uraufgeführt, mit einer Puppe als lebensgroßes und von drei Puppenspielern geführtes Pferd. Sie ist nach wie vor am West End zu erleben und wurde am Broadway mit insgesamt fünf Tonys ausgezeichnet. 2010 entstand das Kammerspiel "Or You Could Kiss Me", eine Beschäftigung mit dem Alter. Im Jahr 2013 war "Stiller", die erste Zusammenarbeit der Company mit einem deutschen Theater, am Residenztheater in München zu sehen.
Regie: Manuelle Blanc\n
Die Sendung wird ausgestrahlt am Samstag, den 11.06.2016 um 04:25 Uhr auf arte.