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Paul Sahner - Geschichten eines Promi-Reporters

Zum Tode von Paul Sahner
Sonntag, 05.06.2016 09:45 Uhr
SR
Sonntag
05.06.2016
09:45 Uhr
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Bildquelle: ARD-Pressebild
Bildquelle: ARD-Pressebild

Wer wissen wollte, wie Fritz Wepper seine späte Vaterschaft verkraftet, wie verlassen sich Anna Netrebko wirklich fühlt, wie sich Boris Becker wieder mal verhauen hat, erfuhr dies jahrzehntelang verlässlich von Paul Sahner in der "Bunten". Wie kein anderer gewann der Promi-Reporter das Vertrauen der deutschen Prominenz und das seiner Leser. Er war der Elder Statesman des deutschen Boulevard. Über 3.000 Interviews hat er in seinem Reporterleben geführt, auch mit internationalen Größen wie dem Dalai Lama und Richard Gere, Michael Jackson und Nelson Mandela.
Er hielt oft über Jahrzehnte den Kontakt zu den Prominenten, über die er schieb, baute zu ihnen ein persönliches Verhältnis auf, und behauptete dennoch von sich, mit den allerwenigsten befreundet zu sein. Am 7. Juni 2015 ist der legendäre Star-Reporter gestorben.
Die Dokumentation, die in seinem letzten Lebensjahr entstand, begibt sich mit Paul Sahner in die Welt des Boulevard. Bei der Geburtstagparty von Henry Maske lässt ihn Günther Netzer abblitzen, im Interview mit Fritz Wepper und dessen Tochter Sophie ist die junge Frau so verschlossen wie der Papa warme Worte für die "Bunte" findet.
Für manchen wurde Sahner zum Verhängnis. Nach elf Jahren traf er sich zum ersten mal wieder mit dem ehemaligen Verteidigungsminister Rudolf Scharping, den er einst baden gehen ließ. Die Geschichte über den im Pool planschenden Minister und seiner Gräfin Pilati wurde zu einem Top-Titel der "Bunte", stellte damals den "Stern" in den Schatten.
Paul Sahner verkrachte sich nur selten. Karl Lagerfeld, der dem Burda-Verlag nahe steht, wollte jedoch wegen eines unautorisierten Buchs nichts mehr mit ihm zu tun haben. Seehofers uneheliches Töchterchen auf dem "Bunte"-Cover hat ihm der CSU-Politiker nicht verziehen.
Der Boulevard-Journalismus ist mittlerweile ein besonders hartes Geschäft, exklusive Geschichten werden immer schwieriger. Viele Prominente beichten Privates lieber selbst im Netz. Paul Sahner schrieb nur über Promis, wenn es eine Geschichte gab, er sie auch tatsächlich treffen konnte und über ihren Gefühlshaushalt Bescheid wusste.
Autorin Nicola Graef fragte bei Sahners Vorgesetzten, der "Bunte"-Chefredakteurin Patricia Riekel und dem Verleger Hubert Burda nach. Fernsehmoderatorin Bettina Böttinger erinnerte sich, wie Sahner in ihrer Sendung in einem Beichtstuhl Rede und Antwort stehen musste. Hans Leyendecker, politischer Journalist der Süddeutschen Zeitung, charakterisiert den Stil des Kollegen. Charles Schumann, Deutschlands prominentester Barchef konnte Paul Sahner in Direktheit sagen, dass er nichts damit anfangen kann, wenn in seinem oder dem Leben anderer "herumgeschnüffelt" wird.
Sahners Plaudertaktik brachte ihm schon diverse Titel wie "Gottvater der Intimbeichte" oder "Zungenlöser" ein. Bei einer Homestory im Chiemgau bekannte Sahner, dass die Promiwelt eine Scheinwelt ist, von der man auch mal eine Pause braucht. Nun wollte er sich mehr aufs Bücherschreiben verlegen. Genau zwei Wochen vor seinem 70. Geburtstag ist er einem Herzinfarkt erlegen.
Film von Nicola Graef

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 05.06.2016 um 09:45 Uhr auf SR.

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05.06.2016 09:45SR01.10.2014 23:45Das Erste