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west.art-Meisterwerke

Goldene Kammer, St. Ursula, Köln
Freitag, 03.06.2016 15:55 Uhr
Phoenix
Freitag
03.06.2016
15:55 Uhr
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Später fanden die Kölner das Grab der Jungfrauen und entdeckten so viele Skelette, dass aus elf 11.000 wurden. Der katholische Glaube übersah geflissentlich, dass es sich bei der Grabstelle um einen alten römischen Friedhof handelte.
Den Schauder vor den unansehnlichen Resten mildert das Antlitz der Jungfrauen mit ihrem sanften, andächtigen Lächeln. Die geeignete Form, mit den Reliquien Geschäfte zu machen. Der Handel mit den heiligen Knochen war verboten. Verkauft wurde nur die Verpackung. Die Jungfrau war teuer, der Inhalt umsonst. Die Fülle der Gebeine und ihre Zurschaustellung offenbaren den heute kaum mehr nachvollziehbaren Wunsch nach Reliquien.
Das bizarre Knochenornament mit über 100 Büsten entstand zwischen dem 13. und 18. Jahrhundert. Die Hofdamen der Heiligen Ursula: Cordula, Julia, Benedicta, Cristina - nicht alle waren Jungfrauen. Unter wohlanständiger Spitzenhaube sind auch verheiratete Damen in Begleitung von Diakonen, Bischöfen, Rittern und Fürsten zu sehen. Hinter eingefärbtem Glas, barockem Schleier- und Rankenwerk. Hunderte von Schädelreliquien – die himmlische Ordnung der Heiligen als irdische Wirklichkeit.
Bis die "Goldene Kammer", das sakrale Gegenstück zu den profanen Kunst- und Wunderkammern, von St. Ursula wieder der ursprünglichen Ausstattung entspricht, werden noch Jahre vergehen. Erst dann wird der Raum wieder das sein, was er einmal war: ein Gesamtkunstwerk des Barock.

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Freitag, den 03.06.2016 um 15:55 Uhr auf Phoenix.