Zur Entstehungszeit des Dokumentarfilms war Romy Schneider 27 Jahre alt, das Sissi-Image hatte sie abgelegt, die eigentliche Weltkarriere hatte trotz eines Hollywoodaufenthaltes und der Zusammenarbeit mit international renommierten Regisseuren noch nicht richtig begonnen.
30 Filme mit ihr waren bis dato in den Kinos gelaufen, Luchino Visconti hatte sie in "Schade, dass sie eine Dirne ist" in Paris zu einem Triumph auf der Bühne geführt und mit ihr seine Episode in "Boccaccio 70" inszeniert, Otto Preminger war ihr Regisseur in "Der Kardinal" gewesen, der große Orson Welles hatte sie für seine Kafka-Verfilmung "Der Prozess" engagiert – ein Erlebnis, das sie tief geprägt hat. Das Melodrama "Schornstein Nr. 4" mit Michel Piccoli, ihrem späteren Leinwandpartner in Welterfolgen wie "Die Dinge des Lebens" oder "Das Mädchen und der Kommissar", war gerade abgedreht.
Doch die junge Schauspielerin zweifelte an sich selbst, litt unter der Publicity, die sich mehr mit ihrem Privatleben oder mit ihrem Welterfolg "Sissi" beschäftigte als mit der Künstlerin Romy Schneider. Otto Preminger hatte ihr bestätigt, dass sie das Zeug zum Weltstar besaß, doch sie verweigerte sich vielen Angeboten, von Selbstzweifeln gequält.
"Romy – Porträt eines Gesichts" bietet einen faszinierenden Einblick in die seelische Verfassung der Schauspielerin und vertraut dabei ganz auf ihr sprechendes Gesicht, die eigenen Worte und Beurteilungen ihrer Erfahrungen, Erlebnisse, Hoffnungen und Ängste.
Für Hans Jürgen Syberberg sind die Erinnerungen an diese Arbeit, an die drei Drehtage im Februar 1966 in Kitzbühel, zwiespältig, denn das "Porträt" ist der einzige Film, den er kürzen musste. Romy Schneiders Ehemann Harry Meyen – sie hatte ihn im Juli 1966 geheiratet und im Dezember den gemeinsamen Sohn David geboren – verlangte bei der Mustervorführung etliche Schnitte, Romy ließ ihn gewähren, ohne sich selbst einzubringen, so Syberberg. Inzwischen sind die Schnitte wieder zurückgenommen.
Der Dokumentarfilm "Romy - Porträt eines Gesichts" von Hans Jürgen Syberberg porträtiert die 27-jährige Romy Schneider auf der Suche nach ihrem eigenen künstlerischen Selbstverständnis. Sie bietet einen Einblick in die damalige seelische Verfassung der Schauspielerin und vertraut dabei ganz auf ihr ausdrucksstarkes Gesicht und ihre eigenen Kommentare und Beurteilungen ihrer Erfahrungen, Erlebnisse, Ängste und Hoffnungen.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Samstag, den 28.05.2016 um 01:25 Uhr auf BR.