Durch das Chaos im Nahen Osten drohen die Christen aus dieser Region, in der ihre historischen Wurzeln liegen, zu verschwinden. Und der Westen, dessen Kultur sie mitbegründeten, schaut weg. Ist die arabische Welt ohne christliche Gemeinschaften vorstellbar? Sind nicht gerade auch sie ein Bindeglied zwischen der islamisch-orientalischen und christlich-westlichen Welt? Wie leben beziehungsweise überleben christliche Minderheiten heute in Ägypten, der Türkei, im Irak, Libanon und Syrien?
Im Irak werden christliche Minderheiten derzeit von den Terrormilizen des sogenannten Islamischen Staates (IS) vertrieben, während sie aus der Türkei bereits im Laufe des 20. Jahrhunderts fast völlig verschwunden sind. Ägypten hat zwar die größte christliche Gemeinschaft der arabischen Welt, die Kopten erfahren jedoch nach wie vor keine echte Anerkennung. Der Libanon ist das einzige Land, in dem Christen lange in der Mehrheit waren, und auch noch heute noch müssen sowohl das Staatsoberhaupt als auch der Oberbefehlshaber der Armee Christen sein. Aus Syrien fliehen Christen in großer Zahl, da sie zwischen den Fronten zerrieben werden in einem Krieg, der nicht zuletzt den Konflikt zwischen dem sunnitischen Saudi-Arabien und dem schiitischen Iran widerspiegelt.
Die Dokumentation schildert die dramatische Situation der Orientchristen, zeigt aber auch ihren Widerstandswillen und die Strategien, die es ihnen ermöglicht haben, in verschiedenen politischen Kontexten ihre jahrhundertealte Identität zu wahren und zum historischen Gedächtnis beizutragen. Ironischerweise gehören die Orientchristen heute zu den größten Kennern des Islams.
Gewalt, Angst und Tod bestimmen den Alltag der Menschen im Nahen und Mittleren Osten. Kriege zwischen Israel und Palästina, der Irakkrieg, der Syrienkrieg und nicht zuletzt der IS-Terror sind nur einige Beispiele von Gewalt in einer nicht zur Ruhe kommenden Krisenregion, der ARTE nun ein THEMA Spezial widmet. Zunächst beleuchtet ARTE den immer gefährlicheren Alltag von Christen in fünf Ländern: Irak, Libanon, Ägypten, Türkei und Syrien. Menschen, die sich zum Christentum bekennen, werden dort verfolgt, vertrieben und sogar getötet. Der Dokumentarfilm zeigt die Geschichte des religiösen Konflikts und den Widerstand der verbleibenden Christen.
Im Anschluss widmet sich ARTE mit "100 Jahre Krieg in Nahost" dem Ursprung aller Spannungen in dieser Region: Während des Ersten Weltkriegs teilten die Briten und Franzosen in einem Geheimabkommen den Nahen Osten unter sich auf.
In der zweiten Abendhälfte wendet sich THEMA Spezial Palästina zu. Die EU schickt Unsummen zum Aufbau eines unabhängigen Staates. Doch damit ersetzt sie fehlende Politik durch Geld und fördert, wie manche sagen, sogar den Stillstand. Der letzte Film stellt die Frage, ob Rechtsstaatlichkeit und militärische Besatzung überhaupt miteinander vereinbar sind.
Regie: Didier Martiny\nProduzent: ARTE F\n
Die Sendung wird ausgestrahlt am Dienstag, den 17.05.2016 um 20:15 Uhr auf arte.