In den vergangenen Jahren ist kein Land Lateinamerikas derart gewachsen wie Panama. Die Finanzwirtschaft boomt und die Preise für Immobilien sind sprunghaft gestiegen. Das spüren vor allem die Fischer im Armenviertel Boca la Caja. Ihre Häuser mitten in Panama-Stadt sind eingekreist von Wolkenkratzern, in denen Banken und transnationale Konzerne sitzen. Fischer Salomon Urriola hat schon viele Angebote bekommen, bleibt aber hart: „Ich will nicht verkaufen, vor allem nicht an die Ausländer“.
In einer ganz anderen Welt lebt Tom Richter. Seit einem halben Jahr profitiert der deutsche Immobilienmakler vom Boom in Panama. Gerade vermittelt er Osteuropäern eine drei Millionen Euro teure Villa, die schwerreiche Venezolaner verkaufen wollen. Der Finanzsektor Panamas, der sich in einer rechtlichen Grauzone befindet, ist auch für Tom die Grundlage für seinen Erfolg. Er sagt: „Viele Deutsche sehen in Panama das neue London oder das neue Singapur.“
Panamas Historie als Offshore-Paradies hängt eng mit dem Kanal zusammen. Alles begann Anfang des 20. Jahrhunderts mit der Billigflaggenschifffahrt. Heute hat kein Land der Welt mehr Schiffe registriert als Panama. Dazu kommt die Freihandelszone Colón, dem Einfallstor für Importgüter nach Lateinamerika. In den 70er Jahren hat Panama das Bankengeheimnis eingeführt und die laxe Steuerpolitik gefestigt. Seitdem boomt das diskrete Geschäft mit den Briefkastenfirmen, hinter denen stets anonyme Aktiengesellschaften stehen.
Dieses Prinzip haben sich auch die Ureinwohner vom Stamm der Emberá zu Nutze gemacht. Sie stehen für das andere Gesicht Panamas, für das Paradies im Schatten der Wolkenkratzer. Weil ihr Stammesgebiet an der Grenze zu Kolumbien wegen der Drogengangs und der Guerilla zu unsicher wurde, sind sie auf eine Halbinsel im Gatún-See gezogen. Dort gründeten sie eine Aktiengesellschaft. Ihr Kapital: Touristen.
Seit neun Jahren ist dieses Modell eine Erfolgsgeschichte und die Emberá wollen jetzt sogar expandieren und Nachbargrundstücke kaufen.
Die Expansion der Offshore-Briefkastenfirmen könnte dagegen ein jähes Ende finden. Staatsanwälte ermitteln weltweit gegen die Drahtzieher der Panama Papers. Die Kanzlei Mossack Fonseca behauptet dennoch, alles sei rechtens gewesen. Und tatsächlich scheinen die Gesetze Panamas wie für diese Art Geschäfte gemacht. „Steuerflucht ist in Panama nur ein Verwaltungsfehler“, erklärt die Geldwäsche-Expertin Victoria Figge. Dennoch geben mittlerweile selbst hochrangige Persönlichkeiten wie Ex-Präsident Nicolas Barletta zu, dass Panama jahrzehntelang „zwielichtige Geschäftsmänner angelockt hat: Drogenbosse und Geldwäscher.“
„Panama – im Schatten der Wolkenkratzer“ zeigt ein Porträt eines Landes im Zuge der internationalen Enthüllungen. Ein boomendes Land und ein Land mit großen sozialen Ungleichheiten. Bislang ein Paradies für Ureinwohner und Steuerflüchtlinge.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Freitag, den 15.04.2016 um 18:15 Uhr auf Phoenix.