Selten geht das Erben ohne Streit über die Bühne. Neid und Missgunst sind programmiert, jeder zweite Erbfall gefährdet den Familienfrieden, und nicht selten tobt am Ende der Krieg ums Erbe. Dabei wird in Deutschland immer mehr vererbt: Finanzexperten erwarten, dass Deutschland in den kommenden zehn Jahren weiter zu einer Erbenrepublik wird, in der alljährlich zwischen 200 und 400 Milliarden Euro an die nächste Generation weitergegeben werden. Doch auch wenn das zu vererbende Vermögen überschaubar ist, geht es interessanterweise nicht unbedingt friedlicher zu.
Manchmal sind es sogar klägliche Beträge, an denen Familien zerbrechen. Familientherapeuten stellen fest: Beim Streit ums Erbe geht es oft auch um die existenzielle Frage nach der Liebe der Eltern. Wer sich in seinem Erbe benachteiligt fühlt, schließt daraus, dass ihn die Eltern im Vergleich zum Bruder oder zur Schwester weniger geliebt haben. Uralte Rivalitäten brechen auf, kindliche Konkurrenzen toben sich aus: der Streit ums Erbe als Streit um den Selbstwert, als Symbol für nicht oder nicht genug erhaltene Wertschätzung. Über Jahrzehnte unterdrückte Emotionen brechen sich Bahn. Am Ende macht Erben nur Scherben, dies alles kostet Nerven und Gesundheit. Anwälte und Gutachter verdienen sich eine goldene Nase, und nicht selten frisst dies das zu erbende Vermögen auf.
Neben dem familiären geht es bei Erbschaften aber auch um den sozialen Frieden. Vererben kann nur, wer etwas besitzt. In Deutschland verfügen die reichsten zehn Prozent über rund 70 Prozent des Gesamtvermögens. Durch Erbschaften werden die Nachkommen von Vermögenden ohne eigene Leistung vermögend - während die andere Hälfte allenfalls Schulden erben wird. Wie gerecht geht es also zu in einer Gesellschaft, in der die Erbschaft die Zukunft der nächsten Generation vorbestimmt? Fragen über Fragen in einem Land voller Erben und Scherben.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Samstag, den 23.04.2016 um 17:30 Uhr auf HR.