Die Qual des Daseins und die Sinnlosigkeit der menschlichen Existenz, das sind die immer wiederkehrenden Themen des Dramatikers und Romanciers Samuel Beckett, der am 13. April 2016 120 Jahre alt geworden wäre. Not und Elend sind bei Beckett lebensbeherrschende Elemente. Seine Menschen sind Menschen in der Katastrophe. Gestalten, denen nicht zu helfen ist, die keine Perspektive haben, konfrontiert nur mit sich selbst. Aber Becketts Hoffnungslosigkeit ist komisch, manchmal sogar fröhlich. Seine Figuren sind über die Illusionen des Daseins hinaus.
Becketts zentrales Motiv ist der in seiner Erstarrung gefangene Körper. In Murphy, Becketts erstem Roman, ist der Held nackt an seinen Schaukelstuhl gefesselt. Im legendären Endspiel muss Hamm von Clov im Rollstuhl herumgefahren werden. Ein Ausweg bleibt Becketts Figuren verwehrt. Das Theaterstück Warten auf Godot, mit dem Beckett in den 50er Jahren berühmt wurde, beginnt mit den Worten: Nichts zu machen.
Samuel Beckett, der 1969 den Literaturnobelpreis erhielt, verweigerte jegliche Erklärungen, zu seiner Biographie wie zu seinen Werken. Dennoch lassen sich in vielen Texten immer wieder persönliche Erfahrungen und reale Begegnungen nachweisen.
Goggo Genschs Dokumentation zeigt Samuel Beckett als einen sanften Melancholiker - und heimlichen Romantiker -, der sich aus langen Jahren der Erfolglosigkeit eine Unabhängigkeit und Freiheit erarbeitet hatte, die ihm über alles ging und die er radikal umsetzte, in seiner Kunst. Den einmal erworbenen künstlerischen Überzeugungen folgte er unbedingt, ja zwanghaft, rücksichtslos, obwohl ihn enge Freunde als bescheiden und rücksichtsvoll erlebten.
Freunde und Arbeitskollegen, wie der Kunsthistoriker Werner Spies, die Regisseure Sir Peter Hall, Michael Colgan und Walter Asmus, erzählen von ihren Begegnungen mit Beckett, ebenso sein autorisierter Biograf James Knowlson. Die Schauspieler Horst Bollmann und Klaus Herm erinnern sich an die Arbeit mit dem Regisseur Beckett am Berliner Schillertheater. Der frühere Fernsehspielchef Reinhart Müller-Freienfels berichtet über den Fernsehregisseur Samuel Beckett.
Der erste Teil der filmischen Biografie erzählt von Becketts Jugendzeit in Dublin und seinen Jahren als erfolgloser Romanschriftsteller. Erst nach dem zweiten Weltkrieg - Beckett verbrachte den größeren Teil dieser Zeit in der südfranzösischen Provinz -, als Beckett anfing, Theaterstücke zu schreiben, kam der Erfolg.
Autor: Goggo Gensch\n
Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 17.04.2016 um 09:45 Uhr auf SR.