Roter Teppich, Blitzlichtgewitter, Smoking und Abendkleider: Hollywood feiert Geburtstag. Seit hundert Jahren ist hier der Ort, an dem Filme und ihre Stars umjubelt werden. Hollywood ist der amerikanischste aller Träume. Doch kaum jemand ahnt, dass diese Geschichte ihren Anfang in der deutschen Provinz nahm - mit dem schwäbischen Auswanderer Carl Laemmle aus Laupheim bei Ulm, der 1912 in Hollywood die Universal Studios gründete.
Zusammen mit seiner Nichte Carla Laemmle, die so alt ist wie die Traumfabrik selbst - nämlich hundert Jahre - begibt sich der Film auf eine fantastische Reise in die Anfänge der Filmgeschichte - in eine Zeit, als alles einfach "wild" war, als auf dem Universal-Gelände Indianer, Elefanten und Monster umherliefen und es während der Dreharbeiten noch laut und deftig zuging.
Zum Teil noch unveröffentlichtes Archivmaterial und Interviews lassen die Stummfilmdiva Mary Pickford erleben oder Lon Chaney, der für Universal den "Glöckner von Notre Dame" und das "Phantom der Oper" spielte. Filmautor Kai Christiansen befragt die Nachfahren von Boris Karloff ("Frankensteins Monster") und Bela Lugosi ("Dracula") zu ihren berühmten Vätern. Doch Carl Laemmle wagte sich auch immer an ernste Themen der Zeit: Die Universal-Verfilmung von "Im Westen nichts Neues" brachte ihm 1930 den "Oscar".
Rund 2.000 Filme hat Laemmle produziert, ein einzigartiges Lebenswerk, auf das die Dokumentation zurückblickt; sie stellt aber auch den Produktionsstandort "Hollywood heute" vor. Christiansen interviewt unter anderem John Malkovich, der den Unterschied zwischen Theater- und Filmschauspielerei vorführt, und er dreht bei einer der führenden Special-Effects-Firmen, denn jeder Hollywood-Film ist heutzutage am Computer nachbearbeitet.
Zur Rolle der Filmmusik äußert sich der dreifach "Oscar"-prämierte Filmkomponist Howard Shore. Schließlich erzählt Regisseur Peter Bogdanovich aufschlussreich, wie er noch viele Stars der Anfangsjahre persönlich kannte, und vergleicht ihr Leben mit der heutigen Zeit in der Traumfabrik.
Der Film "100 Jahre Hollywood - Die Carl Laemmle Story" gibt einen einmaligen Einblick hinter die Kulissen der erfolgreichsten Filmproduktionsstätte der Welt und in die Lebensgeschichte des all die Jahre heimatverbundenen Carl Laemmle, der auf seine Weise auch ein Oscar Schindler war: In der Nazi-Zeit ermöglichte er Hunderten deutschen Juden die Ausreise in die USA und rettete sie vor den Konzentrationslagern.
Ein Film von Reinhardt Beetz und Kai Christiansen.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Mittwoch, den 13.04.2016 um 15:45 Uhr auf Einsfestival.