Könnten die Menschen die Gesänge der Grönlandwale verstehen - was würden sie erzählen? Kein anderes Säugetier wird so alt. Und damit ist der Grönlandwal ein einzigartiger Zeitzeuge der Geschichte. Der älteste uns bekannte Grönlandwal wurde geboren zur Zeit der Französischen Revolution. Er hat den Anfang und das Ende des Napoleonischen Zeitalters erlebt, genauso wie den Anfang und das Ende der Viktorianischen Ära. Er ist den Walfängern entkommen, die in einem nicht enden wollenden Blutbad 99 Prozent seiner Art ausgelöscht haben. Er hat die Weltkriege überstanden, erduldet notgedrungen die allmähliche Eroberung der Ozeane durch den Menschen und muss jetzt, im hohen Alter, andere Gewässer aufzusuchen, damit er ausreichend Nahrung bekommt. Der Klimawandel zwingt ihn dazu.
Die Dokumentation lädt ein zu einer Zeitreise durch das lange Leben dieser arktischen Riesen - ein Leben, geprägt von ständiger Veränderung und Anpassung.
Die Dokumentation ist Preisträger des NaturVision Filmfestivals 2013 in der Kategorie "Beste Story".
Die Begründung der Jury:
"Ein riesiger Wal gleitet durchs Bild, davor schwebt still ein winziger Taucher. Es geht, zeigt dieses Bild gleich zu Beginn, um die Beziehung zwischen Mensch und Wal. Ausgehend vom Fund eines 211 Jahre alten Wals erkundet der Film die gemeinsame Geschichte über diesen langen Zeitraum. Es ist die Geschichte des Walfangs und immer effektiverer Methoden, dem Geschöpf nachzustellen, das im Wortsinn den "Schmierstoff" der industriellen und militärischen Entwicklung der letzten 200 Jahre lieferte. Das ist der eine Erzählstrang. Der andere lädt uns ein, einem hypothetisch in den Nachwehen der Französischen Revolution geborenen Wal in sein Leben zu folgen. Zu erleben sind seltene Bilder und Töne von großer Schönheit: Mutter und Kind, Begrüßungsrituale, Liebesakte - der Ruf von Artgenossen über Hunderte von Kilometern, die Schöpfung eigener Lieder, das Brechen des Eises, Motorgeräusche. Immer wieder blickt uns das Auge des Wals an. Rätselhaft, berührend. Die besondere Qualität des Films liegt in dieser parallelen Erzählweise. Er verdeutlicht ökonomische, ökologische und historische Zusammenhänge, erzeugt aber gleichzeitig wachsendes Verständnis und Respekt für eine außergewöhnliche Kreatur, deren Zukunft, das wird implizit deutlich, erneut bedroht ist. Denn das Eis, das ihn bisher vor der Ausrottung geschützt hat, schmilzt. Das Auge des Wals sieht uns an."
Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 10.04.2016 um 20:15 Uhr auf arte.