

Der Mississippi ist ein Fluss der Superlative, eine nordamerikanische Legende. Von der Quelle in Minnesota bis zu seinem riesigen Mündungsgebiet bei New Orleans legt der wasserreichste und mächtigste Fluss der USA fast 4.000 Kilometer zurück. Er durchquert nahezu das gesamte Staatsgebiet der USA und fließt durch acht Bundesstaaten.
Der Winter 2011 bringt ungewöhnlich viel Schnee in den Norden der USA: der Mississippi ist zugefroren, eine dicke Schneeschicht bedeckt das Land. Als die Temperaturen steigen, führen unzählige Bäche und Flüsse dem großen Strom Schmelzwasser aus einem riesigen Einzugsgebiet zu. Stauwehre und Schleusen, Dämme und Deiche zeigen keine Wirkung mehr. Der Fluss tritt über seine Ufer - eine Jahrhundertflut steht bevor. Als im Frühjahr Rekordregenfälle noch mehr Wasser bringen, ist 1.300 Kilometer von der Quelle entfernt aus dem kleinen Flüsschen eine endlos scheinende Wasserlandschaft geworden.
Wer in den Baumwipfeln lebt, ist jetzt im Vorteil. Gleithörnchen gehören zu den wenigen Säugern, die sich in die Luft gewagt haben. Sie rudern mit Armen und Beinen und breiten dabei ihre Flughaut aus und überbrücken so bis zu 80 Meter. In gut 15 Meter Höhe erblicken in einer verlassenen Spechthöhle kleine Brautenten das Licht der Welt. Einen Tag später sind sie bereit, ihren Unterschlupf für immer zu verlassen. Mit glucksenden Rufen lockt sie die Mutter, bis eines nach dem anderen den Sprung in die Tiefe wagt.
Bei Cairo im Bundesstaat Illinois mündet der Ohio in den Mississippi und steuert gewaltige Wassermassen bei. Der Pegel des Mississippi steigt auf unglaubliche 19 Meter. Die schützenden Dämme sind gebrochen. Im Schlamm vieler Bäche und Flüsse bereiten sich Eintagsfliegen auf ihren großen Tag vor: sie schlüpfen in Massen und überziehen das Land bereits nach Stunden mit ihren sterbenden Körpern - ein Festmahl für viele andere Tiere. Im Bundesstaat Tennessee zeigt sich ein weiteres Massenphänomen. Asiatische Silberkarpfen, die einst ausgesetzt wurden, haben sich ungebremst vermehrt. In manchen Flüssen der USA leben heute zehn Mal mehr Silberkarpfen als einheimische Fische. Bekannt wurden sie für ihre bis drei Meter weiten Sprünge aus dem Wasser - ein skurriles Naturschauspiel.
Die Flutwelle des Mississippi schwappt mit zerstörerischer Kraft weiter Richtung Süden und bedroht New Orleans. Schweren Herzens werden die Stauwehre und Dämme geöffnet und das Wasser in die Sümpfe Louisianas geleitet. Um die Großstadt zu retten, verlieren 25.000 Menschen auf dem Land ihre Häuser. Wie aber kommen die Tiere mit den Fluten zurecht? Mississippi - Die große Flut zeigt in eindrucksvollen Bildern, wie Tiere mit den unberechenbaren Wassermassen kämpfen und wie sie überleben - an Amerikas legendärem Strom.
Ein Film von Brian Armstrong
Die Sendung wird ausgestrahlt am Dienstag, den 12.04.2016 um 20:15 Uhr auf WDR.