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Das Ende des Erhabenen Staates (2/2)

Der berstende Nahe Osten
Donnerstag, 07.04.2016 17:30 Uhr
arte
Donnerstag
07.04.2016
17:30 Uhr
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Bildquelle: ARD-Pressebild
Bildquelle: ARD-Pressebild

Das Osmanische Reich war schon geschwächt, als es 1914 an der Seite von Deutschland und Österreich-Ungarn in den Krieg eintrat. An allen Ecken und Enden des Reiches, das sich mittlerweile auf Kleinasien - Anatolien - und die letzten Provinzen in Syrien, Palästina, Mesopotamien und Hedschas beschränkte, wurde gekämpft. Zu Zeiten dieser Beschränkung auf den "harten anatolischen und muslimischen Kern" des Osmanischen Reichs, wie der Politologe Hamit Bozarslan es bezeichnet, wird mit der Vernichtung der Armenier, der in Anatolien lebenden Christen, der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts verübt.
Vor diesem Hintergrund muss man auch die Versuche des Reichs - nun in den Händen der Jungtürken - sehen, seinen Einfluss auf die verbliebenen arabischen Provinzen zu wahren, die als letzte Bastion angesehen wurden. Aber auch die arabischen Völker waren es leid, zentral von Istanbul aus regiert zu werden, und verfolgten nationale Bestrebungen. Durch die 1916 von Hussein, Scherif von Mekka, angestoßene Revolte wurde die Spaltung besiegelt. Und die Feinde des Reiches wussten die Gunst der Stunde zu nutzen. Briten und Franzosen spielten die Ambitionen der Araber gegenüber den Osmanen aus, nur um anschließend die Versprechen an die arabischen Herrscher schnell wieder zu vergessen und ihren eigenen Vorteil daraus zu ziehen.
Was vom Osmanischen Reich noch übrig geblieben war, wurde in künstlich geformte Nationalstaaten mit umstrittenen Grenzen gegossen. Die Entstehung von Ländern wie Libanon, Syrien, Palästina, Transjordanien oder Irak ist vor allem auf das Expansionsstreben der Briten und Franzosen zurückzuführen.
Als die Siegermächte 1921 versuchten, das untergehende Osmanische Reich in enge Grenzen zu verweisen, ergriff der türkische Offizier Mustafa Kemal die Führung der starken türkischen Nationalbewegung. Er bekämpfte die Alliierten ebenso wie die letzten treuen Anhänger des Reichs, schaffte das Sultanat ab und rief 1923 die Republik Türkei aus. Um die Gebiete, in denen vormals unterschiedliche Bevölkerungen lebten, zu "homogenisieren", wies die Türkei mehr als eine Million Christen nach Griechenland aus, von wo aus wiederum die dort noch verbliebene muslimische Bevölkerung deportiert wurde. Dieser Bevölkerungstausch besiegelte endgültig den Sieg der Nationalstaaten über das Osmanische Reich.
In der zweiteiligen Dokumentation werden die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen nachgezeichnet, die den Niedergang des Osmanischen Reichs heraufbeschworen haben - von der Unabhängigkeit Griechenlands 1830, das sich als erster Nationalstaat aus dem Reich herauslöste, bis 1923, als die Türkei als letzter Nationalstaat seine Nachfolge antrat. Durch Zerfall und Zerstückelung des Reiches entstanden vom Balkan bis zum Nahen Osten neue Staaten, neue Grenzen und neue ethnische wie religiöse Spannungen, die noch heute die Region prägen.
Dokumentation Frankreich 2014

Regie: Mathilde Damoisel\nProduzent: ARTE F\n

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Donnerstag, den 07.04.2016 um 17:30 Uhr auf arte.