Am 9. November 1993 zerstörten kroatische Milizen die Brücke von Mostar, sie trennt den muslimischen und den christlichen Teil der Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina.
Am 12. März 2001 sprengten Taliban - Milizen die größten Buddha-Statuen der Welt im afghanischen Bamiyan-Tal. Ein Erdbeben zerstörte am 26. September 2003 in der iranischen Stadt Bam die berühmte Zitadelle, ein Weltkulturerbe, und einen großen Teil der Stadt.
Naturkatastrophen, Terrorismus, Krieg. Drei Beispiele, die deutlich machen wie gefährdet die Welterbestätten sind. Der Titel "Welterbe" hilft nicht gegen rohe Gewalt. Weder Terroristen noch Kriegsparteien lassen sich von so einem Titel nur ansatzweise beeindrucken. Das Label "Welterbe" haben mittlerweile 911 Denkmäler aus 151 Ländern der Welt verliehen bekommen haben.
Max Moor zeigt in diesem Film welchen unterschiedlichen Gefahren Welterbestätten ausgesetzt sind. Und er blickt zurück auf die Ursprünge der UNESCO-Welterbeliste: die Rettung der Ruinen von Abu Simbel in den 1960er Jahren.
Die Ausgrabungsstätte von Abu Mena in Ägypten ist durch das Nilwasser bedroht. Dieses wurde umgeleitet, damit die Landwirtschaft floriert. Dadurch stieg der Pegel des Grundwassers und veränderte die natürlichen Eigenschaften des Lehmbodens. Der Boden unter den Ruinen wurde brüchig. Die Krypta des Heiligen Menas musste wieder zugeschüttet werden. In die Stollen war Wasser gelaufen. Sie drohten einzustürzen.
Wie dicht gewebte Teppiche überziehen Reisterrassen die Berghänge der Insel Luzon im Norden der Philippinen. Die Reisterrassen der Ifugao sind eine einzigartige Kulturlandschaft, ein Meisterwerk der Bewässerungstechnik und der Terrassenbaukunst. 1995 wurden diese Landschaft als erste so genannte "Bauernlandschaft" zum Weltkulturerbe, 2001 zum gefährdeten Welterbe, erklärt.
Die Seen von Kissimee sind der Ursprung einer einzigartigen Urlandschaft - den Everglades. Ende des 19. Jahrhunderts zeigten Immobilienspekulanten Interesse an der Landschaft. Sie ließen einen exotischen Baum aus Australien einführen, der vier Mal so viel Wasser brauchte. Der Melaleuca-Baum entzog den Sümpfen das Wasser und trocknete sie aus. So entstand Bauland und Anbaufläche für Zuckerrohr und Apfelsinenplantagen. Der Wasserkreislauf wurde jäh unterbrochen. In den heißen Sommermonaten jagen Brände über den ausgetrockneten Boden. Dagegen setzen die Farmer riesige Bewässerungsanlagen ein, die den Everglades noch mehr Wasser entzogen. Vermischt mit Phosphor und Pestiziden gelingt das Wasser ungefiltert in den längst angeschlagenen Wasserkreislauf. Das Paradies von einst ist fast verschwunden.
Autor: Goggo Gensch\n
Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 03.04.2016 um 06:45 Uhr auf SR.