Am 16. November des Jahres 1965 steigen in Rom rund 40 Bischöfe - Teilnehmer des Zweiten Vatikanischen Konzils - in die Domitilla-Katakomben hinab, feiern einen Gottesdienst und unterzeichnen eine radikale Selbstverpflichtung. Auf teure Dienstwagen, auf Bischofspaläste, prunkvollen Ornat und selbst auf ihre Ehrentitel wollen sie verzichten. Stattdessen machen sie es sich zur Aufgabe, arm zu leben und für die Rechte der Armen zu streiten.
500 Konzilsväter werden am Ende diesen Katakombenpakt unterschrieben haben. Der Text wird in Lateinamerika die "Theologie der Befreiung" und die "Option für die Armen" befeuern. Papst Paul VI. bekommt ihn überreicht - dann scheint seine Spur plötzlich zu verschwinden. Hat die Kirche ihren Auftrag vergessen, an der Seite der Armen zu stehen und für sie Partei zu ergreifen?
Mit dieser und anderen Fragen war schon der brasilianische Bischof Dom Helder Câmara zum Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) nach Rom gereist. Nacht für Nacht notiert er während der Konzilssitzungen seine Gedanken. Es sind sehr persönliche Notizen, geprägt von weitreichenden Visionen für eine Erneuerung der Kirche und für eine gerechtere Welt. Helder Câmara war ein Netzwerker und hatte großen Einfluss auf die Diskussionen des Konzils. Er engagierte sich mit anderen Bischöfen für eine "dienende und arme Kirche". Als 1965 das Konzil ohne ein klares Statement zu Armut und Gerechtigkeit in der Welt zu Ende geht, unterzeichnen sie den Katakombenpakt - das Gegenmodell zu einer feudalen, hierarchisch organisierten, selbstherrlichen Kirche.
Die Filmautoren Bernd Seidl und Wolfgang Rommel erzählen die Geschichte des Katakombenpakts und seiner Entstehung. Originaldokumente, Archivmaterial und Zeitzeugen zeichnen ein eindrucksvolles Bild vom lebhaften Geschehen hinter den Kulissen des Konzils.
Regie: Bernd Seidl, Wolfgang Rommel\nAutor: Bernd Seidl\nKontakt: Andrea Kammhuber\n
Die Sendung wird ausgestrahlt am Mittwoch, den 30.03.2016 um 19:00 Uhr auf BR.