St. Pauli, acht Meter unter der Fahrbahndecke. Sielmeister Hans-Joachim Hoch watet knöcheltief in seiner fünfzehn Kilogramm schweren Schutzausrüstung durch das Abwassersystem unter der Stadt. Dort, wo Regen-, Abwasser und Fäkalien der Hamburger entsorgt und zu den Klärwerken transportiert werden. "Also ich finde, heute riecht das besonders gut hier unten", sagt Achim Hoch schmunzelnd während er sich mit seiner Taschenlampe den Weg durch die dunkle Unterwelt bahnt. "Das riecht hier wie in Capri!", sagt er und verwandelt das Siel in einen Konzertsaal. Der 57-jährige Bezirksmeister Bau bei Hamburg Wasser singt stimmgewaltig den fünfziger Jahre Schlager "Die Capri-Fischer". In seinem Lichtkegel sieht man Ratten vorbeihuschen. "Musik ist meine Große Leidenschaft und hier unten ist eine Wahnsinnsakustik", sagt er. "Und der Lärm vertreibt auch die Ratten, damit wir hier unten bei der Arbeit nicht attackiert werden."
* Seine Leidenschaft ist die Musik
Als Jugendlicher träumte Hans-Achim Hoch davon Musiker zu werden. So manche Nacht verbrachte er in den Hamburger Musikclubs und schaute sich von den Stars auf der Bühne alles ab: "Ich kann bis heute keine einzige Note spielen", erzählt Hoch, "und so habe ich mir alle Griffe auf der Gitarre selbst beigebracht und auch das Singen". Seine erste Gitarre hat er von seinem Lehrlingslohn als Verkäufer in einem Hamburger Kaufhaus in Raten abgestottert. "Doch als Musiker eine Familie ernähren zu müssen, das war mir zu riskant", so Hoch. "Deswegen habe ich meine Leidenschaft zum Hobby gemacht. Mit seiner Band "Roaring Silence" rockt er - wenn er nicht in der Kanalisation steckt, durch ganz Deutschland.
* Wir halten Hamburg von unten sauber
Seit 38 Jahren überprüft der "singende Sielmeister" das über 5.800 Kilometer lange Abwassersystem unter der Stadt, auf Schäden. Viele Röhren sind aus der Jahrhundertwende. Manchmal müssen massive Verunreinigungen noch mühselig per Handarbeit entfernt werden, trotz gefährlicher Keime, Bakterien, Gase und angriffslustiger Ratten: "Wir halten Hamburg von unten sauber", sagt Hoch, "doch der Großteil der Bevölkerung nimmt unsere Arbeit im Untergrund gar nicht wahr. Aber ohne uns könnte niemand auf Toilette gehen oder sein Geschirr abspülen."
* Ein Spezialauftrag für Sielmeister Hans-Joachim Hoch
Unter Elbe, Alster und Stadt liegt tief im Verborgenen die Arbeitswelt von Hans-Joachim Hoch - ein gefährlicher Job und mit immer neuen Herausforderungen für die Männer von Hamburg Wasser: "Auch ich habe in dieser völlig abgeschlossenen Welt - ich will nicht sagen Angst, aber eine gewisse Portion Respekt", sagt Hoch. "Typisch - Der Mann für Hamburgs Unterwelt" begleitet Hans-Joachim Hoch bei einem Spezialauftrag 25 Meter unter der Elbe, während über seinen Kopf hinweg die großen Schiffe fahren. Wir entdecken im Revier des Sielmeisters ein "unterirdisches Kronjuwel aus der Kaiserzeit" - eine verborgene Kammer samt Bootssteg von Neunzehnhundertfünf. Nach Dienstschluss verwandelt sich Hans-Joachim Hoch dann in einen Rocksänger und komponiert für Ehefrau Monika in seinem "Beatles-Zimmer" ein ganz besonderes Lied - es erzählt die Geschichte, wie die beiden sich vor 38 Jahren kennengelernt haben.
Produktion: Edgar Rygol\nAutor: Wolfgang Klauser\n
Die Sendung wird ausgestrahlt am Dienstag, den 29.03.2016 um 13:00 Uhr auf NDR.