Noch heute ist von außen nichts zu sehen. Und genau das war zu DDR-Zeiten Programm. Niemand sollte wissen, dass sich in der Arndtstraße 48 mitten in Leipzig die zentrale Hinrichtungsstätte der DDR befindet. Als Axel Bulthaupt diesen Ort zum ersten Mal betritt, ist er voller Spannung: Nur ein schweres Metalltor trennt die Außenwelt von dem Todestrakt, die ehemalige Hausmeisterwohnung der Strafvollzugseinrichtung Leipzig. Ein völlig unscheinbarer Ort. Weder Anwohner noch die Gefangenen der angrenzenden Strafanstalt ahnten, was hier vor sich ging. Mitten in der Nacht wurden die Todeskandidaten nach Leipzig gebracht. Dann hatten sie etwa eine Stunde Zeit, einen Abschiedsbrief zu schreiben. Im Morgengrauen, gegen vier Uhr früh, wurde das Urteil in einem zwölf Quadratmeter großen Raum vollstreckt.
Weil das Fallbeil oft versagte, wurde seit 1968 mit der Methode des "unerwarteten Nahschusses" getötet – mit einer Walther P38 mit Schalldämpfer. Laute Schüsse wären aufgefallen und das sollte laut einer Dienstanweisung des Innenministeriums unter allen Umständen vermieden werden. Auch im Krematorium auf dem Leipziger Südfriedhof, wo die Leichen verbrannt wurden, war Stillschweigen oberstes Gebot. Im Einäscherungsbuch, wurden die "Fälle" unter den Stichwörtern "Abfall" oder "Anatomieleiche" vermerkt. 1987 wurde die Todesstrafe in der DDR dann schließlich offiziell abgeschafft.
Axel Bulthaupt folgt den wenigen Spuren dieses dunklen Kapitels. Dabei erfährt er von den Geschichten der Hingerichteten, hört die Worte eines Henkers und entdeckt einen fast unwirklichen Ort, die letzte Hinrichtungsstätte der DDR in der heutigen Leipziger Südvorstadt.
Der Osten - Entdecke wo du lebst
Die Sendung wird ausgestrahlt am Mittwoch, den 16.03.2016 um 05:50 Uhr auf MDR.