Im Arabischen Frühling wurden die Neuen Medien zum Mittel des Aufbegehrens: Junge Menschen nutzen soziale Netzwerke, Blogs, Foren und YouTube, um von den Umstürzen in ihren Ländern zu berichten. Auch Bilder von Massakern der syrischen Armee an unbewaffneten Zivilisten gingen um die Welt. Junge Leute greifen zur Kamera und filmen den Alltag in zerbombten Städten wie Homs und Hama, die Angst, den Irrsinn und den Tod.
Zu ihnen gehört die junge kurdische Filmemacherin Simaw aus Homs. Sie steht seit zwei Jahren im Dialog mit dem syrischen Filmemacher Oussama Mohammad, der heute im Pariser Exil lebt. "Wenn du hier in Homs wärst, worauf würdest du deine Kamera richten?", fragt sie ihn. Anhand des unbearbeiteten Bildmaterials, das die jungen Syrer auf YouTube stellen, erzählt dieser Dokumentarfilm von der Beziehung zwischen Oussama und seiner "Schülerin". Über diesen virtuellen Dialog bekommt der Zuschauer Einblick in die belagerte Stadt Homs, den Überlebenskampf der Bewohner, ihre Panik bei einem Angriff der syrischen Luftwaffe. Die Beziehung zwischen Simaw und Oussama wird für beide immer unentbehrlicher, immer lebensnotwendiger. Für die junge Frau ist sie das einzige Tor zur Außenwelt, für den Exil-Syrer die letzte Verbindung zur verbotenen Heimat. Ihre beiden Schicksale sind miteinander verknüpft.
Der Dokumentarfilm thematisiert auch das Exil, die physische und psychische Entfernung, die Oussama von seinem Land trennt. Hier wird er zur Stimme seiner fernen Heimat und erzählt von der Einsamkeit, der Dringlichkeit, dem Schmerz seiner schöpferischen Arbeit.
Seit seinen aufsehenerregenden Äußerungen in einer Gesprächsrunde bei den Filmfestspielen in Cannes 2011, als er das syrische Regime offen kritisierte, lebt der preisgekrönte Filmemacher Oussama Mohammad im Pariser Exil und verfolgt von dort die Entwicklung in seinem Heimatland. Gerade bei den jungen Syrern genießt er hohes Ansehen und steht im Ruf, ein unbeugsamer Geist zu sein. In seiner Heimat wurden seine Werke zensiert und nie gezeigt.
Der syrische Regisseur Oussama Mohammad hat bisher nur wenige Filme realisiert, aber immer mit Erfolg. Seine Spielfilme "Etoiles de jour" (Preis in der Reihe Quinzaine des Réalisateurs, Cannes, 1988) und "Sacrifices" (Offizielle Auswahl in der Reihe Un Certain Regard, Cannes, 2002) sowie sein Kurzfilm "Step by Step" von 1979 (außer Konkurrenz in der Reihe Berlinale Shorts, Berlin, 2013) fanden auf renommierten Filmfestivals Beachtung.
Themenabend: THEMA Spezial: Syrien
Was als friedlicher Protest der syrischen Jugend in den Tagen des Arabischen Frühlings begann, ist heute ein Krieg. Ein Krieg, in dem sich nicht nur die Armee von Baschar al-Assad und unterschiedliche Revolutionsgruppen gegenüberstehen, sondern auch eine internationale Anti-IS-Koalition der um sich greifenden Terror-Miliz Islamischer Staat den Kampf angesagt hat. Die Fronten haben sich vervielfacht, Folter und schwere Menschenrechtsverletzungen sind an der Tagesordnung. Die kriegerischen Auseinandersetzungen haben inzwischen das Leben von weit mehr als 250.000 Menschen gekostet, rund zwölf Millionen Syrer sind auf der Flucht, Syrien-Rückkehrer verbreiten Terrorangst in Europa und kulturhistorische Schätze von unschätzbarem Wert werden dem Erdboden gleichgemacht. "THEMA Spezial" geht in fünf Dokumentationen dem Schrecken des Bürgerkriegs mit all seinen internationalen Konsequenzen und der Ausbreitung des IS in Syrien nach.
Regie: Oussama Mohammad\n
Die Sendung wird ausgestrahlt am Mittwoch, den 16.03.2016 um 00:30 Uhr auf arte.