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Bilderbuch Deutschland

Die Wupper - Ein Fluss atmet auf
Montag, 14.03.2016 14:15 Uhr
NDR
Montag
14.03.2016
14:15 Uhr
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Bildquelle: ARD-Pressebild
Bildquelle: ARD-Pressebild

Manche Flüsse erinnern an manche Menschen: Ihr Auftritt ist kurz aber heftig. Drängend und doch scheinbar ziellos. Sie sind Stürmer und Flüchtling zugleich. Bis sie am Ende gehetzt und ausgelaugt in einem fremden Bett zu Grunde gehen. So etwa liest sich über weite Strecken der Lebenslauf der Wupper, die nicht nur Wuppertal den Namen gab, sondern den Pulsschlag einer ganzen Region mitbestimmt - des Bergischen Landes östlich des Rheins.
Die knapp 113 Kilometer lange Reise der Wupper beginnt ganz entspannt in einem Naturschutzgebiet, in dem ungezählte namenlose Rinnsale zusammenfließen. Das Murmeln der "Wipper", die erst ab Wipperfürth zur "Wupper" wird, war lange Zeit die sanfte Hymne dieser Gegend, bis im 16. Jahrhundert die Grafen von Berg die neue Zeit ins Flusstal ließen und die Mühlräder zu klappern und die Hammerwerke zu pochen begannen. Es kamen die Flechter, die Spinner, die Färber, die Weber. Und schließlich die ersten Industriellen. Von nun an roch es am nicht mehr ganz so grünen Strand der Wupper nach Schweiß. Selbst in Fabrikantenkreisen wurden die Nasen gerümpft: "Der schmale Fluss ergießt bald rasch, bald stockend seine purpurnen Wogen zwischen rauchigen Fabrikgebäuden und garnbedeckten Bleichen hindurch; aber seine hochrote Farbe ... rührt nicht vom Scham über das Treiben der Menschen, obwohl dazu wahrlich Grund genug vorhanden ist, sondern einzig und allein von den vielen Türkischrot-Färbereien", klagt 1839 in einem Brief der Fabrikantensohn Friedrich Engels aus Barmen. Erstaunlich, wie viele Namen aus dem Tal der Wupper weltweit bekannt geworden sind. Mit Wupperwasser wurden Wilhelm Conrad Röntgen, die Industriellen Friedrich Bayer und Reinhard Mannesmann und die Dramatikerin Else Lasker-Schüler getauft. Aber auch Hitlers schrecklicher Handlanger Adolf Eichmann. Von der Wupper kamen auch drei Deutsche, die ihrem Land nach dem Ende des Naziterrors wieder zu Achtung verholfen haben: die Bundespräsidenten Gustav Heinemann, Walter Scheel und Johannes Rau.
Heute leben an der Wupper fast eine Million Menschen. Viele noch immer von dem, was die Gegend bereits vor Jahrhunderten berühmt gemacht hat. Die Solinger Klingenschmiede zum Beispiel sorgen weiterhin mit dafür, dass in vielen Teilen der Welt mit Messer und Gabel gegessen wird und die Fingernägel keine Trauerränder haben. Und in Wuppertal verrenken sich die Durchreisenden auch nach über hundert Jahren noch die Köpfe, wenn die Schwebebahn kommt. Und die Wupper darunter, die auch weiterhin reichlich Industrieabwasser schlucken muss? Erst war sie rot. Dann war sie tot. Doch die Wasserspezialisten haben die Hoffnung nie aufgegeben, sie ins Leben zurück zu holen. "Der Fluss", versichern sie im Kanon mit den Anglern "ist auf dem Weg der Besserung." Kaum beachtet verabschiedet sich die Wupper in Leverkusen in den Rhein. Wenn es dort nicht von Natur aus so feucht wäre, könnte man sehen, dass sie dabei nicht eine Träne vergießt.
Film von Björn Held

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Montag, den 14.03.2016 um 14:15 Uhr auf NDR.