Horst Buchholz spielt schon mit 14 Jahren seine erste Hauptrolle. Mit 21 Jahren erhält der Berliner den
Bundesfilmpreis. Er wird als zorniger junger Mann in "Die Halbstarken" zum Idol der rebellischen Jugend, die
Medien sehen in ihm den deutschen James Dean. Doch der Schauspieler mag keine Klischees und spielt
Komödien - mit Romy Schneider.
Die gutaussehenden Lieblinge des deutschen Films werden in den Illustrierten zum Traumpaar stilisiert. Die Traumhochzeit aber feiert Horst Buchholz dann mit der französischen Schauspielerin Myriam Bru. Horst Buchholz hat inzwischen erste internationale Produktionen. Hollywood ruft: "Die glorreichen Sieben" mit Stars wie Yul Brynner, Charles Bronson oder Steve McQueen machen Buchholz international zum Star. Egal was er macht - es wird ein Erfolg und bringt ihm neue Angebote. Horst Buchholz muss auswählen - und macht kapitale Fehler. Zweimal sagt er Luchino Visconti Rollen ab, die ihm vielleicht einen Oscar gebracht hätten. 1961 dreht er mit Billy Wilder den Kultfilm "Eins, Zwei, Drei", doch will zur Zeit des Mauerbaus keiner über die Berliner Ost-West-Parodie lachen. Der Film wird erst Jahrzehnte später ein Erfolg.
Absagen in Hollywood, Absagen nach Deutschland - Horst Buchholz als Star in der Warteschleife. Er hadert mit den 68ern, die keine Stars wollen. Schulden sammeln sich an, so entschließt sich die Familie Buchholz, nach Europa
zurückzugehen. Sie finden in Paris eine internationale Schule für die dreisprachig erzogenen Kinder und eine
stilvolle Stadtwohnung für sich. Das Paar Buchholz wird sich ein Leben lang siezen. Nach wie vor bekommt er
keine großen Rollen, sitzt stundenlang vor dem Fernseher und schaut Zeichentrickfilme.
1978 zieht er allein zurück nach Berlin, zurück zum Theater - und lebt fortan mit einem Mann zusammen. Sein
Comeback als Musicalstar ist kein Erfolg und als Entertainer einer TV-Show wird er nach fünf Folgen abgesetzt.
Der Misserfolg nagt an ihm. Er raucht und trinkt zu viel, will damit die Depressionen bekämpfen.
In den 1990ern spielt er in Filmen von Wim Wenders ("In weiter Ferne, so nah!") und Roberto Benigni ("Das
Leben ist schön") noch zwei große Rollen. Bereits geschwächt muss er aber auch Theaterauftritte absagen.
Horst Buchholz hat die Lust am Leben verloren, er isst kaum noch etwas und magert mehr und mehr ab. Von
einem Oberschenkelhalsbruch wird er sich nicht mehr erholen. Am 3. März 2003, ein paar Monate vor seinem
70. Geburtstag, müssen die Ärzte ihn in ein künstliches Koma versetzen, aus dem er nicht mehr aufwacht.
Filmautor Lothar Schröder hat in Paris die Ehefrau Myriam besucht. Buchholz' Schwester Heidi, seine Kinder
Beatrice und Christopher erzählen Geschichten aus dem Leben des Schauspielers. Karin Baal erinnert sich an die
Zusammenarbeit in "Die Halbstarken" und Otto Sander an Buchholz' Comeback unter Wim Wenders.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Dienstag, den 08.03.2016 um 22:45 Uhr auf RBB.