In der bayrischen Gemeinde Bubenreuth profitieren die Einheimischen vom Fleiß und Können der Geigenbauer aus dem Egerland. Dank Wirtschaftswunder macht auch der Vater von Hartmut Brandenburg aus dem pommerschen Rügenwalde mit seiner bekannten Teewurst bald wieder satte Gewinne. In Mecklenburg hat es die Familie von Elvira Schmidt aus Bessarabien ebenfalls bereits Anfang der fünfziger Jahre wieder zu etwas gebracht. Ihr gut geführter landwirtschaftlicher Betrieb wirft weit mehr ab, als sie an den Staat abführen muss - bis die Familie einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft beitreten muss.
In der Bundesrepublik Deutschland hilft vielen beim Aufbau der neuen Existenz ein günstiger Kredit oder seit 1953 der Lastenausgleich. Doch entgegen weitverbreiteten Vorurteilen bekommen die Vertriebenen tatsächlich nur einen Bruchteil dessen ersetzt, was sie verloren haben. Vertriebenenverbände und Landsmannschaften, aber auch die westdeutsche Politik wecken lange falsche Hoffnungen, lassen die Betroffenen im Glauben, dass eine Heimkehr doch noch möglich wäre. Erst Willy Brandt nimmt mit der neuen Ostpolitik und der faktischen Anerkennung der Oder-Neiße-Linie eine eindeutige politische Haltung ein. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs besuchen viele zum ersten Mal wieder die alte Heimat. Ein schmerzhaftes Wiedersehen - auch wenn nun Flüchtlinge und Vertriebene längst ihren Platz in der neuen Heimat gefunden haben.
Mit der zweiteiligen Sendereihe "Fremde Heimat" wirft der WDR erstmals einen kritischen Blick auf das Schicksal der Vertriebenen nach 1945. Eindringlich schildert das Autorenteam Henning Burk und Erika Fehse eine große Bandbreite persönlicher Geschichten und macht so deutlich, wie sehr sich die Startbedingungen für den Neuanfang unterschieden. Es zeigt sich, dass die Integration der Flüchtlinge und Vertriebenen aus den ehemaligen deutschen Siedlungsgebieten Mittel- und Osteuropas nicht die große Erfolgsgeschichte ist, als die sie im Rückblick gerne verklärt wird. Am Ende glückt zwar die Integration, doch der Weg dorthin ist gesäumt von schmerzhaften Erfahrungen, von großen Demütigungen und Entbehrungen.
Film von Henning Burk und Erika Fehse
Die Sendung wird ausgestrahlt am Donnerstag, den 03.03.2016 um 00:10 Uhr auf WDR.