Bergen: eingerahmt von sieben Gipfeln, umgeben von spektakulären Fjorden gilt sie bei vielen als schönste Stadt Norwegens. Berühmt ist sie auch für ihre Holzhäuser: Einst errichteten deutsche Hansekaufleute die Kontore im Hafenviertel Bryggen, heute gehören sie zum UNESCO-Welterbe. Doch sie sind eine Dauerbaustelle. Feuchtigkeit lässt das Holz verrotten, der weiche Untergrund die Gebäude absacken. Der Zimmermann Victor Marshall Tweiten restauriert die jahrhundertealten Häuser fast so wie damals: mit Axt, Augenmaß und viel Geduld. Alte Schnittspuren im Holz verraten ihm noch heute, wie seine Vorgänger gearbeitet haben. Mit seiner Frau und drei Kindern lebt Victor am Hardangerfjord auf gerade einmal 45 Quadratmetern. Deshalb zimmert er ein neues Familienhaus aus den Balken zweier betagter Häuser, die abgerissen werden mussten. Holz mit Historie und dank Victor auch mit Zukunft.
Maria Pile Svåsand hat ihren Job gekündigt, um das alte Bücherboot "Epos" zu retten. Schon ihre Eltern waren fast zwei Jahrzehnte lang mit dem Schiff unterwegs und brachten Bücher in entlegene Buchten und auf kleine Inseln. Seit 2022 organisiert Maria Lesungen an Bord, um das Schiff zu erhalten. An diesem Tag geht es sechs Stunden durch die Fjordwelt in ihren Heimatort Strandebarm. Dort wuchs auch Literaturnobelpreisträger Jon Fosse auf, aus einem seiner Werke wird gelesen. Viele der Besucher kennen die "Epos" noch als schwimmende Bibliothek aus ihrer Kindheit.
Die Bergensbanen ist die Zugverbindung zur Hauptstadt Oslo, vor Bergen schlängelt sie sich zwischen Fjord und Felswand entlang. Immer wieder lösen sich hier Steinbrocken oder gleich ganze Felsen. Die Geologin Trine Helle Simmenes sorgt dafür, dass sie nicht auf die Gleise stürzen. Mit ihrem Team sucht sie gefährdete Stellen, im Hubkorb des Arbeitszuges geht es ran an die Felswand. Der Klopftest zeigt Trine: locker oder fest. Nach Feierabend kümmert sie sich um ihre 50 Schafe. Den uralten Familienhof hat Trine mithilfe ihrer Ersparnisse und einem Kredit gerettet.
Wildlachs ist in Norwegen mehr als ein Fisch, er ist Kulturgut. Doch seine Bestände sind auch rund um Bergen stark zurückgegangen. Biologe Tore Wiers untersucht, welche Rolle die Lachsläuse aus den großen Zuchtfarmen dabei spielen. Dafür setzt er jungen Wildlachsen winzige Sender ein und gibt ihnen Geleitschutz: 150 Exemplare schwimmen in einer Netzreuse hinter Tores kleinem Zehn-PS-Boot her. Vier Stunden lang lotst er sie in ihrer natürlichen Wandergeschwindigkeit durch die Fjorde - mit Abstand zu den Zuchtfarmen und deren Parasiten Richtung Nordsee. Dann entlässt Tore sie in die Freiheit und hofft, dass möglichst viele von ihnen als ausgewachsene Lachse zurückkehren in die atemberaubende Natur rund um Bergen.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Donnerstag, den 05.11.2026 um 20:15 Uhr auf radiobremen.