Eine Zeitung mit Geschichte
Die erste Ausgabe "Flensborg Avis" erschien am 1.Oktober 1869. Gegründet wurde die Zeitung von dänisch gesinnten Kreisen, die auch nach der Niederlage Dänemarks 1864 und der Eroberung Sønderjyllands durch Preußen die Verbindung zu Dänemark betonen wollten. Der preußischen Verwaltung war die dänischsprachige Zeitung ein Dorn im Auge, ständig wurde juristisch gegen sie vorgegangen, mehrere Chefredakteure landeten im Gefängnis. Die Grenzziehung 1920 brachte neue Probleme, da nun ein Großteil der Leserschaft nördlich der Grenze lebte. Überlegungen, den Redaktionssitz nach Dänemark zu verlegen, wurden verworfen, die "Flensborg Avi"s wurde die Zeitung der dänischen Minderheit in Deutschland. Heute arbeiten etwa 65 Menschen hier, davon etwa 28 in der Redaktion. Sie kommen von nördlich und südlich der Grenze. Gesprochen wird fast nur Dänisch, geschrieben auch zu 25 Prozent Deutsch. Der Anteil von 75 Prozent Dänisch ist eine Vorgabe des Südschleswig-Ausschusses des dänischen Parlaments. Er entscheidet über die Fördermittel. Ohne diese könnte die Zeitung wirtschaftlich nicht bestehen. Einfluss auf die Unabhängigkeit der Zeitung hätten die Fördergelder aber nicht, betont Chefredakteur Søren Munch. "Ich habe noch nie erlebt, dass ein dänischer Politiker versucht hat, Einfluss auf unsere Berichterstattung zu nehmen."
Vision und Mission
Die "Flensborg Avis" ist einerseits eine regionale Tageszeitung, andererseits ist sie aber auch eine Zeitung für die dänische Minderheit. "Wir machen mehr public service als eine normale kommerzielle Zeitung es tun würde" sagt Chefredakteur Søren Munch. Die erklärte Mission der Zeitung: der Minderheit dienen mit journalistischer Analyse, Erklärungen, Bildungs- und Servicethemen. Das alles mit dem Ziel, den Zusammenhalt der Minderheit zu sichern und die Minderheit weiterzuentwickeln. "Wir berichten über alle wichtigen Themen" erklärt Redaktionsleiterin May-Britt Petersen. "Aber wenn wir zwischen einem Minderheitenthema und einem anderen Thema entscheiden müssten, würden wir das Thema wählen, das die Minderheit betrifft."
Alle zusammenzubringen und mitzunehmen, darum geht es auch in der Samstagsbeilage "KomMit", sie richtet sich speziell an die Eltern der Kinder, die die dänischen Kindergärten und Schulen besuchen. Viele davon sind neu in der Minderheit und lernen die dänische Sprache erst. "Wir verwenden hier einfachere Sprache" erklärt Redakteurin Helena Munk-Andersen. "Und einige Wörter, die schwierig sein könnten, übersetzen wir in einem kleinen Kasten neben dem Artikel."
Die Digitalisierung und eine alte Druckpresse
Wenn man die KI einer großen Suchmaschine befragt, gibt es in Deutschland keine Tageszeitungen mehr, die auf Druckmaschinen aus den 1970er-Jahren gedruckt werden. Dass die KI hier irrt, kann man in Flensburg im Wittenberger Weg mit eigenen Augen sehen: Die "Flensborg Avis" wird immer noch mit einer alten Rotationspresse gedruckt. "Die läuft hervorragend und hat uns noch nie im Stich gelassen" erzählt Produktionsleiter Torben Due stolz, während seine Kollegen mit schnellem Blick die Blätter prüfen. Stimmt etwas nicht mit den Zeilen oder Farben, müssen sie reagieren. "Hier gibt es noch richtiges Druckerhandwerk. Alles wird manuell justiert." Zur Wartung der Maschine kommt ein Techniker aus Dänemark. Er ist mittlerweile über 80. "Aber wir kennen uns ja auch aus" sagt Torben Due und betont, dass es hier nicht um Nostalgie geht. "Mit einer eigenen Druckpresse sind wir unabhängig und können schnell reagieren." Dass die Papierausgabe der "Flensborg Avis" bald verschwindet, glaubt auch Chefredakteur Søren Munch nicht. "Nicht in den nächsten Jahren." Aber: immer mehr Leser bevorzugen das digitale Abo. "Die wichtigsten Artikel erscheinen auch abends schon vorab digital."
Die Sendung wird ausgestrahlt am Samstag, den 24.10.2026 um 08:00 Uhr auf radiobremen.