Seine Möbel sind zeitlos. Seine farbenfrohen, floralen Stoff- und Tapetendessins sind in aller Welt bekannte Designklassiker und werden heute noch in hoher Auflage produziert bzw. wurden vielfach plagiiert. Nur ihr Schöpfer ist hierzulande weitgehend dem Vergessen anheimgefallen. Zu Unrecht, wie Regisseur Rudolf Klingohr in seinem Film über Josef Frank bildgewaltig vor Augen führt. So zeitlos-modern die Textildesigns und rund 1.000 Möbelentwürfe des vor 140 Jahren in Baden bei Wien geborenen Vielbegabten geblieben sind, so wenig ist seine Bedeutung als Architekt zu unterschätzen. Mit einem seiner Hauptwerke, der Villa Beer im 13. Wiener Gemeindebezirk, die derzeit detailgetreu restauriert wird, schuf er eine architektonische Ikone der österreichischen Moderne. Das Haus, in dem auch Marcel Prawy lebte, wurde nach jahrelangem Leerstand saniert und wird noch 2025 als Museum eröffnet. Frank verantwortete aber nicht nur Häuser für eine betuchte Klientel, sondern auch richtungsweisende Kommunalbauten, die ihn als großen Humanisten ausweisen. In die Architektur- und Designgeschichte eingegangen ist er als leidenschaftlicher Anti-Stilist, der Moden wie Normierung stets vehement ablehnte. Als Jude war Josef Frank 1933 in die Emigration gezwungen worden, in Stockholm fand er eine zweite Heimat, mit der Inneneinrichtungsmanufaktur Svenskt Tenn ging er eine Jahrzehnte währende Partnerschaft ein. Nach wie vor werden in Schweden Josef Franks unzählige Sofas, Sessel, Vitrinen oder Lampen nach seinen Originalentwürfen in Handarbeit gefertigt und quer über den Globus verschifft. Frank wird so sehr mit dem skandinavischen Land in Verbindung gebracht, weil heute zahlreiche Schwedische Botschaften und Residenzen in aller Welt mit seinen Möbeln eingerichtet sind - sinnbildhaft für schwedische Wohnlichkeit. Vermisst haben muss der gebürtige Österreicher seine Arbeit als Architekt, für die er im Exil keine Auftraggeber fand.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Dienstag, den 15.07.2025 um 03:50 Uhr auf ORF 2.