Reinhard Wechselberger aus Tux im Zillertal ist Koch und Skischullehrer. Und er ist so alt wie die Zweite Republik. 1945 geboren bekam der Zillertaler hautnah mit, wie aus einem armen, bäuerlich geprägten, konservativ-katholischen Bundesland, das wirtschaftlich im Abseits stand, eine moderne und weltoffene, dynamische und erfolgreiche Region im Herzen Europas wurde. Bei Tirol denken viele an Dirndln und Lederhosen, Berge und Hüttengaudi. Ein Tourismus-Mekka mit heute 49 Millionen Nächtigungen pro Jahr. Doch Tirol ist mehr. Nach 1945 wurde es zu einem international bedeutenden Industriestandort mit Leitbetrieben wie Plansee, Swarovski und Liebherr. Heute vereint Tirol Tradition und Moderne. Beides wird auch mit Eduard Wallnöfer verbunden, dem verehrten, aber auch als "allmächtig" kritisierten ÖVP-Langzeit-Landeshauptmann und Bauernbundchef. Wallnöfer trat in seiner langen Amtszeit von 1963 bis 1987 vehement für eine selbstbewusste Eigenständigkeit Tirols als österreichisches Bundesland ein. Und er setzte sich für eine Autonomie Südtirols in Italien ein. In seine Ära fallen auch die Sprengstoff-Attentate des BAS, des "Befreiungsausschusses Südtirol", die am Ende 21 Menschen das Leben kosteten. Wallnöfer wurde auch als "Betonierer" kritisiert. Seine "3-S- Politik" - der Bau von Schulen, Strom, Straßen - brachte ihm den Beinamen "Beton-Walli" ein. Neue Straßen bedeuteten für Tirols Politik in den 1960ern Wirtschaftaufschwung. So wurde gebaut und eröffnet. Die Felbertauernstraße, der Arlbergtunnel, die A12 und die A13, die Brennerautobahn mit der Europabrücke - eine der ersten Gebirgsautobahnen der Welt. Damals war man noch überzeugt, dass Tirol nicht umfahren werden dürfe, um das Land weiter auf der Überholspur Richtung Massenkonsum und Massentourismus zu halten. Die negativen Begleiterscheinungen dieser Politik wurden bald deutlich und in der satirischen TV-Serie "Die Piefke-Saga" nach einem Drehbuch Felix Mitterers aufs Korn genommen.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Samstag, den 10.05.2025 um 10:15 Uhr auf ORF 2.