Eiswinter auf Juist Von Mitte Dezember bis Anfang März waren die Menschen auf der Nordseeinsel Juist im Winter 1962/1963 vom Festland abgeschnitten. Eisiger Ostwind ließ die Eisschollen meterdick auf der Nordsee anwachsen und die Fähren im Hafen festfrieren. Kurz vor Weihnachten war ein Ende des Dauerfrostes nicht in Sicht und Brennstoff und frische Milch wurden auf der Insel langsam knapp. Daraufhin schickte die Bundesregierung die Heeresflieger der Bundeswehr los. Die Transporthubschrauber starteten in Rheine-Bentlage: mit Brennstoffen, Milch, Butter und Mehl. "Wir wurden bejubelt und geherzt, als wir die erste Ladung ausluden", erinnert sich der Hubschrauberpilot Dietrich Wessler. Auch bei älteren Insulanern ist dieser besondere Winter noch sehr präsent. "Es kam vor, dass die Mehlsäcke auf der Landewiese aufplatzten", so der der Juister Heino Behring, der die Einsätze als 15-Jähriger damals täglich beobachtet hat. Die Insulaner fegten das kostbare Mehl zusammen und brachten das Mehl mit Grashalmen versetzt zum Bäcker. "Da knirschte es gewaltig, wenn man ins Brötchen biss", erinnert sich Heino Behring. Der "Katastrophenwinter" auf Mönchgut Besondere Film- und Bilddokumente zeigen den Katastrophenwinter auf Rügen: So drehte die DEFA, das volkseigene Filmunternehmen der DDR, im legendären Winter 1978/1979 eher zufällig in Groß Zicker. Dort war die Filmcrew selbst eingeschneit worden. Fischer Wolfgang Görtz erinnert sich an diese Zeit gemeinsam mit seiner Frau und einer Nachbarin, ebenso wie der Schäfer Frank Westphal. Am Nonnenloch türmte sich das Packeis. Ein besonderes Schauspiel, welches den Fotografen Volkmar Herre anlockte. Fast wäre er mit seinen Skiern in den Schneewehen eingebrochen. Dann hätte ihn vermutlich niemand gefunden. Aber er schafft es zum Packeis und bringt legendäre Fotos mit. Die "Eiswade" der Holmer Fischer Damit hatte der Chef der Volkskunde des Schleswig-Holsteinischen Landesmuseums in Schleswig nicht gerechnet. Arnold Lühning steht am Fenster, als die Holmer Fischer Richtung Schloss zum Burggraben ziehen. Der ist im März 1965 von einer starken Eisschicht bedeckt. In diese bohren die Männer Löcher und ziehen ihr Netz unter dem Eis hindurch, um Fische zu fangen. Es wird die letzte große "Eiswade" der Holmer Fischer. Arnold Lühning informiert damals den Fotografen des Schleswig-Holsteinischen Landesmuseums. Der schnappt sich seine Filmkamera, zusammen rennen sie zum Burggraben, um das Ereignis zu filmen. So entsteht ein authentisches Filmdokument des Eisfischens in Schleswig-Holstein. Zudem dokumentiert einer der Fischer damals das Ereignis. Dieser, bisher unbekannte Bericht und der Die Eisbrecher-Flotte von Lauenburg Sie heißen "Stier", "Steinbock" oder auch "Widder", werden von starken Motoren angetrieben und haben so manches Unglück auf der Elbe verhindert: die Eisbrecher aus Lauenburg. Sie befreien nicht nur Schiffe aus Eisbarrieren, sondern halten vor allem die Schifffahrt bei starkem Frost im Gange. Bereits in den 1960er-Jahren war Helmut Venus als Steuermann auf einem der Eisbrecher auf der Elbe unterwegs. Dabei erlebte er immer wieder den Kampf gegen das Eis: Mit der ganzen Kraft der Motoren und mit viel Anlauf preschten die kleinen Kraftpakete gegen die Eisbarrieren, um sie zu zersprengen. Damit verhinderten die Eisbrecher, dass sich das Eis auftürmte und Risse in den Deichen entstehen. Es war eine anstrengende, nervenaufreibende Arbeit, die ihm aber auch viel Spaß gemacht hat, erzählt Helmut Venus heute. Der Film aus der Reihe "Unsere Geschichte" zeigt auch, wie sich die bundesdeutsche Flotte mit den DDR-Eisbrechern trifft. Und Helmut Venus erzählt, dass es damals hoch herging auf den Schiffen, auch wenn die Angst vor Stasispitzeln bei den gemeinsamen Treffen immer mit dabei war.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Montag, den 15.01.2024 um 01:52 Uhr auf tagesschau24.