

Vor 100 Jahren, am 29. Oktober 1923, wird die heutige Türkei gegründet. Im Gefolge des Ersten Weltkriegs soll an die Stelle des Osmanischen Vielvölkerreichs eine einheitliche Nation treten. Eine wichtige Rolle spielt dabei der sogenannte Bevölkerungsaustausch zwischen der Türkei und Griechenland. Er ist Teil des Vertrags von Lausanne aus demselben Jahr und soll die Vertreibung von 1,2 Millionen griechisch-orthodoxer Menschen aus der Türkei nach Griechenland legitimieren und von 400.000 Muslimen in die umgekehrte Richtung. Die Vertreibungen erfolgen oft gewaltsam, die Betroffenen sind über Generationen traumatisiert. Heute ist etwa jeder fünfte Grieche und jeder fünfzehnte Türke Nachfahre dieser Vertriebenen.
Die dramatischen Zwangsumsiedlungen und ihre Folgen sind vielen Menschen kaum bekannt. Dabei sind sie ein Meilenstein in den von Konflikten und Spannungen geprägten Beziehungen der beiden NATO-Partner - neben dem Zypernkonflikt etwa und Ansprüchen auf weitere Inseln.
Die Dokumentation porträtiert einfühlsam Angehörige der Vertriebenen, die sich für die Aufarbeitung der historischen Ereignisse einsetzen und dafür, dass sich heutige Nachkommen begegnen können und schätzen lernen.
Die Eltern und Geschwister der 95 Jahre alten Despina Tsouflidou wurden bei ihrer Vertreibung aus Anatolien nach Griechenland schwer misshandelt. Despina setzt sich bis heute für Verständigung ein und gibt dabei die Hoffnung nicht auf, dass eines Tages ihre seitdem vermisste Schwester vor ihrer Tür steht.
* 100 Jahre Türkei
100 Jahre nach Staatsgründung widmet ARTE der Türkei, dem Bindeglied zwischen Europa und Asien, einen ganzen Abend. Die Dokumentation "Atatürk und Erdogan - Väter der Türken" schildert die wechselvolle Geschichte der Regionalmacht. Das Land spielt heute eine wichtige geopolitische Rolle, wie die Dokumentation "Türkei - Gaspoker im östlichen Mittelmeer" zeigt. Die Vertreibung von mehr als 1,5 Millionen Menschen in den 20er Jahren ist ein oft vergessenes Kapitel der Spannungen zwischen der Türkei und ihren griechischen Nachbarn. "Griechen und Türken: Vertreibung und Trauma" ist der Titel einer Dokumentation über diesen sogenannten Bevölkerungstausch.
Wohin entwickelt sich die Türkei? Was macht das Land so konfliktträchtig? 100 Jahre nach der Ausrufung der Türkischen Republik widmet ARTE dem Bindeglied zwischen Europa und Asien einen ganzen Abend. Die Dokumentation "Atatürk und Erdogan - Väter der Türken" schildert die wechselvolle Geschichte des Staates. Permanente Krisen prägten ihn, zum Beispiel der Völkermord an den Armeniern, die Verfolgung von Kurden und Aleviten und mehrere Militärputsche. Die Türkei kommt kaum zur Ruhe.
Dies zeigt auch die Dokumentation "Türkei - Gaspoker im östlichen Mittelmeer". Im Sommer 2020 standen sich dort Truppen der NATO-Partner Türkei und Griechenland kampfbereit gegenüber. Gebietsstreitigkeiten, neue Erdgasvorkommen.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Dienstag, den 24.10.2023 um 22:40 Uhr auf arte.