

Patrice Chéreau wurde 1944 als Sohn eines Künstlerpaares geboren. Der hochsensible junge Mann fällt schon im Amateurtheater seines Gymnasiums durch seine Begabung auf. Mit 22 Jahren vertraut man ihm die Leitung eines Theaters im Pariser Vorort Sartrouville an. Sein Plan, ein engagiertes Volkstheater zu schaffen, scheitert und er geht bankrott. Es folgen finanziell schwierige Jahre, doch das kennt er von seinen Eltern, und sein allenthalben anerkanntes schöpferisches Talent eröffnet ihm schon bald Zugang zu den renommiertesten europäischen Bühnen.
Auch in Frankreich kann er wieder Fuß fassen und wird Kodirektor des Nationaltheaters in Villeurbanne, einem Vorort von Lyon. Der Wendepunkt seiner Karriere ereignet sich, als er mit 32 Jahren zum hundertjährigen Bestehen der Bayreuther Festspiele den „Ring des Nibelungen“ inszenieren soll. Mit Hilfe seiner hervorragenden Deutschkenntnisse und der Tatsache, dass er die deutschen Sagen seit Unizeiten in- und auswendig kennt, lässt ihn Bayreuth in fünf Festspielsommern - nach anfänglichem Widerstand gegenüber seiner Sicht auf die Dinge - erobern. Als Leiter eines Theaters in Paris Nanterre, der nächsten Station, bringt er mit der dortigen Schauspielschule eine ganze Generation herausragender Theatertalente hervor.
Die Aidskrise der 1980er Jahre trifft seinen Freundeskreis hart. Er gibt die Leitung des Theaters ab, um sich neu zu orientieren und einem Traum, dem Kino, zu widmen. Mit entwaffnender Klarsicht setzt er sich mit dem Thema der Gewalt in zwischenmenschlichen Beziehungen in „Die Bartholomäusnacht“ (1994) auseinander. 2001 landet er mit „Intimacy“ einen großen Erfolg: Dem Theater bleibt er über all die Jahre treu, und auch in der Welt der Oper hinterlässt er unauslöschliche Spuren.
Das einfühlsame Porträt stützt sich auf das Wort und die Werke des Regisseurs. Wegbegleiter und enge Freunde zeichnen ein sehr authentisches Bild von Chéreaus einzigartiger Persönlichkeit, Quelle der Inspiration für die Nachwelt.
Patrice Chéreau, geboren am 2. November 1944 in Lézigne, besuchte das Lycée Louis-le-Grand in Paris, in dessen Laienspielgruppe er sich bereits als 15-Jähriger als Regisseur, Schauspieler und Bühnenbildner engagierte. Seine vielseitige Karriere als Theater-, Opern- und Filmregisseur begann Chéreau im Sprechtheater. In seiner Funktion als Leiter des Theaters der Pariser Trabantenstadt Sartrouville (1966-1969) unternahm er den Versuch, ein engagiertes Volkstheater zu schaffen. 1971 wurde Chéreau künstlerischer Kodirektor, später - zusammen mit Roger Planchon - Direktor des Théâtre National Populaire in Villeurbanne, einem Vorort von Lyon.
1982 übernahm er die Leitung des Théâtre des Amandiers im Pariser Vorort Nanterre, dem im Rahmen eines Modellversuches auch ein Schauspiellehrinstitut und ein Filmatelier angeschlossen waren.
Er liebte lange Texte und verhalf dem Dramatiker Bernard-Marie Koltès zu Bekanntheit. Nach den 80er Jahren und der schwierigen Aidskrise - er war bekennender Homosexueller - schlug er neue Wege ein und widmete sich dem Film.
Bei den Filmfestspielen in Cannes wurde 1994 sein Film „Die Bartholomäusnacht“ vorgestellt. Bei der 20. César-Verleihung 1995 in Paris wurde der Film gleich fünfmal ausgezeichnet. 1995 brachte Chéreau bei der Biennale in Venedig eine Neuinszenierung von Koltès "Dans la solitude des champs de coton" auf die Bühne, die später unter anderem bei den Wiener Festwochen und den Salzburger Festspielen, zu sehen war. Bei der Berlinale 2001 erhielt er den Goldenen Bären für seinen kompromisslosen Film „Intimacy“. Den Preis für die beste Regie erhielt Patrice Cheréau auf der Berlinale 2003 für seinen Film „Sein Bruder“.
Das einfühlsame Porträt stützt sich auf das Schaffen und auf Selbstaussagen des Regisseurs: Chéreau bei der Probe, Chéreau, wie er mit verblüffender Einfachheit über seine Arbeit spricht … Auch Wegbegleiter und enge Freunde wie Dominique Blanc, Pascal Greggory, Richard Peduzzi, Valeria Bruni Tedeschi, Thierry Thieu Niang und
Anne-Louise Trividic zeichnen ein sehr authentisches Bild von Chéreaus Persönlichkeit.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Dienstag, den 03.10.2023 um 01:30 Uhr auf arte.