

Am Rande von Paris teilen die Benediktinerinnen des Priorats Sainte-Bathilde hinter den Backsteinmauern eines etwa hundert Jahre alten Gebäudes zurückgezogen ihr Leben und ihren Glauben. Sie stehen ausnahmslos jeden Morgen um 5.45 Uhr auf und beginnen jeden Tag in Stille, die nur von ihren Gesängen unterbrochen wird. Erst, wenn sie die Kirche verlassen, beginnen die Gespräche. Dann versammeln sie sich, um gemeinsam zu entscheiden, was zu tun ist, aber auch, um zu planen, sich auszutauschen, voranzukommen. Alle dürfen mitreden.
Ständig brauchen sie Geld, sei es für die Restaurierung einer alten Orgel oder für die Reparatur einer brüchigen Leitung oder eines kaputten Fensters. Daher arbeiten sie und fertigen für ein geringes Entgelt Rosenkränze. Wenn das Geld allzu knapp wird, rufen sie wie echte Marketingexpertinnen zu Spenden auf, organisieren den „Flohmarkt des Jahrhunderts“ oder ein Konzert.
Das eingenommene Geld nutzen sie auch, um hilfsbedürftige Menschen zu unterstützen. Die Nonnen ernähren sich von Lebensmitteln, die sich nicht mehr verkaufen lassen und ihnen gespendet werden.
Sie interessieren sich für die Welt, blicken beunruhigt auf ihren Zustand, wollen auf dem Laufenden bleiben, um ihre Gebete danach ausrichten zu können. Heute leben 15 Nonnen hier, manche kommen aus Frankreich, andere aus Benin, Vietnam, Äthiopien.
Sie sind alle unterschiedlich, nicht alle sprechen dieselbe Sprache, und doch teilen sie Tag für Tag ihr Leben, sie mögen sich, verstehen sich, akzeptieren sich und haben diesen Lebensweg gewählt. Sie sind Frauen der Tat und das unermüdlich und voller Liebe.
In seiner 5. Ausgabe folgt MenschenLeben diesen Sommer wieder dem Puls des gesellschaftlichen Wandels. In einer Welt, in der sich alles beschleunigt, in der aus dem Chaos der Aktualität schnell gedrehte Nachrichtenbilder entstehen, beschäftigt sich die Dokumentarfilmreihe mit persönlichen Themen der Veränderung und nimmt sich dabei die Zeit, die großen Herausforderungen unserer Gesellschaften detailliert zu beobachten und besser zu verstehen.
Filme internationaler Herkunft (Frankreich, Deutschland, Griechenland, Polen, Israel, Tunesien, USA) behandeln universelle Themen wie Leben und Tod: "Gefangen im eigenen Körper", "Fatima - Ein kurzes Leben", "Letzte Worte - Das Recht auf den selbst bestimmten Tod".
Ebenso das Empowerment von Frauen in: "Gegen den Strom - Sara Mardinis Einsatz für die Menschlichkeit", "Sophie Rollet gegen Goodyear", "Keine Kinder, Keine Männer - Südkoreas Frauen unter Druck", "Rodeo Girls", "Beruf Stuntwoman".
In zwei Dokumentarfilmen geht es um die Veränderungen in der polnischen Gesellschaft: "Das rechte Leben - Eine Jugend in Polen", "Bleib bei mir". MenschenLeben wirft daneben einen Blick auf Berufe, die sich ebenso wie die Menschen, die sie ausüben, leidvoll verändern: "Tod, eines Viehzüchters", "Hochschullehrer - Ein Beruf wird zur Herausforderung", "Immer zu Diensten". "Der lange Weg hinaus" dokumentiert anhand von unveröffentlichtem Material, wie man sich aus dem Einfluss einer Sekte oder einer Religion mit sektenähnlichem Charakter befreien kann.
Eröffnet wird die Reihe mit „Casa Susanna“ von Sebastien Lifshitz, eine bewegende Geschichte über die Lebenswege von Transpersonen in den USA, die sich in den 1960er Jahren in einem Haus in den Bergen kreuzten.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Mittwoch, den 12.07.2023 um 22:10 Uhr auf arte.