

Sven Ratjens war als Kind immer mal wieder bei Verwandten in Malente an der Ostsee zu Besuch. Und staunte über endlose Züge, beladen mit Panzern, die von Malente aus in das 17 Kilometer entfernte Lütjenburg transportiert wurden. Der dortige Schießplatz ist noch da, doch die malerische Bahnstrecke, über die natürlich auch Anwohner und Touristen an die Ostsee reisen konnten, wurde 1998 stillgelegt. Jahrelang passierte nichts, bis Ratjens 2019 die Gelegenheit bekam, die völlig zugewucherten Gleise zu kaufen. Nun besitzt er seine eigene Bahnlinie und hat große Pläne: Im Sommer sollen Touristen die Gegend auf Fahrrad-Draisinen erkunden. Die Nachfrage ist riesig, doch Ratjens will mehr: Schon bald sollen zwischen Malente und Lütjenburg wieder Personenzüge fahren, autonom und mit erneuerbarer Energie. Ein realistischer Plan?
Auch in Frankreich hat die Staatsbahn tausende Bahnkilometer stillgelegt. Ganze Regionen wurden von der Schiene abgeschnitten - zugunsten des Hochgeschwindigkeitszugs TGV. Ein Umstand, der Nicolas Debaisieux ärgerte. Er lebt auf einem Dorf nördlich von Toulouse, ohne Auto geht hier schon lange nichts mehr. 2019 gründete Debaisieux "Railcoop", eine mittlerweile rund 14.000 Mitglieder zählende Genossenschaft. Erstes Ziel: Die Strecke zwischen Lyon und Bordeaux in Eigenregie wieder ans Netz zu bringen. Danach will Railcoop überall in Frankreich wieder Züge fahren lassen. Doch dazu braucht es viel Geld, um Züge zu kaufen und zu sanieren. Können die GenossenschaftlerInnen ihr Ziel erreichen?
Nah dran, authentisch, echt - der Mensch im Mittelpunkt. In 30 Minuten taucht "Re:" in Lebenswelten ein und macht Europas Vielfalt erlebbar.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Dienstag, den 04.07.2023 um 19:40 Uhr auf arte.