

"Es gibt keine Pause. Eine Hand am Lenkrad, eine Hand am Sandwich. Abbeißen vom Sandwich, dann sofort aussteigen. Das Paket abgeben beim Kunden und dann wieder das Gleiche", berichtet ein Paketfahrer, der anonym bleiben will. Stress, Druck und Zeitnot - dass viele Fahrer dem ausgesetzt sind, bestätigt auch Benjamin Heinrichs. Er berät in der Beratungsstelle "Faire Integration" in Erfurt Kurierfahrer bei Problemen mit dem Arbeitgeber und klärt sie über ihre Rechte als Arbeitnehmer auf.
"Bei Amazon tauchen eigentlich alle vorstellbaren und unvorstellbaren Probleme auf. Der simpelste Fall ist vielleicht eine unrechtmäßige Kündigung oder, dass die Leute zum Teil 15 Stunden am Tag gearbeitet haben, aber nur acht bezahlt bekommen", sagte Heinrichs. Mehr als 150 Ratsuchende haben sich seit dem Bau des Amazon-Verteilzentrums in Erfurt-Stotternheim im September 2019 an die Beratungsstelle gewandt. Tendenz steigend.
Die Paketfahrer selbst werden von Amazon mit verschiedenen Apps "überwacht". Eine gibt Route und Auslieferungsstopps vor, eine andere erfasst, wo sich der Fahrer zu welchem Zeitpunkt aufhält, wie schnell er fährt und wie oft und stark er bremst. Laut Amazon soll so die Sicherheit im Straßenverkehr erhöht werden. Derzeit wird jedoch vom Bayerischen Landesamt für Datenschutz geprüft, inwieweit dies zulässig ist.
Der Online-Händler baut seit 2017 seine eigene Lieferlogistik aus. Das Verteilzentrum in Erfurt gehört zur sogenannten letzten Meile. Von hier aus werden die Pakete an die Kunden zugestellt. Im Verteilzentrum selbst arbeiten mehr als 120 Mitarbeiter, viele als Leiharbeiter. In der Kurierbranche liefern in Thüringen etwa 600 Fahrer für Amazon Pakete aus.
Film von Juliane Maier-Lorenz und Dirk Reinhardt
Die Sendung wird ausgestrahlt am Montag, den 01.05.2023 um 07:15 Uhr auf MDR.