ESC zum Schließen · Enter zum Suchen

Lichterglanz aus Herrnhut

Ein Stern für die Welt
Sonntag, 25.12.2022 09:00 Uhr
SWR
Sonntag
25.12.2022
09:00 Uhr
Teilen:
Bildquelle: ARD-Pressebild
Bildquelle: ARD-Pressebild

Im Gotteshaus der Brüdergemeine in Herrnhut wird alljährlich ein ganz besonderer Stern hervorgeholt. Weiss und imposant – mit 110 Zacken! Wenn er zum ersten Advent von der Decke des Kirchensaals erstrahlt, dann beginnt hier die Advents- und Weihnachtszeit. Der Herrnhuter Stern ist eine Erfolgsgeschichte, die sich durch Jahrhunderte, Familien und den kleinen Ort Herrnhut zieht. Von dort zog der Stern vor 150 Jahren um die Welt. Heute leuchtet der Export aus der Oberlausitz in Grönland genauso wie in einem Flüchtlingscamp in Malawi, im US-amerikanischen Bethlehem, auf dem „Sternberg“ in Palästina und an vielen anderen Orten.
Mitten in der sächsischen Provinz steht die Manufaktur, die Herrnhut zu einer Marke gemacht hat. Im letzten Jahrzehnt verdoppelte sich die Anzahl der Herrnhuter Sterne, die die Mitarbeitenden des Unternehmens jedes Jahr von Hand fertigen. Der Stern ist zwar ein Exportschlager, aber mehr noch steht er für die Gemeinschaft und den Glauben der Herrnhuter. Bis heute erzählt er eindrücklich die christliche Botschaft vom Stern von Bethlehem, von der Geburt eines Kindes im Stall.
In Grönland ist er ein Überbleibsel der Missionare, die ihn einst mitbrachten. In Palästina liegt auf dem so genannten Sternberg, etwa 25 km von Jerusalem entfernt, das Förderzentrum der Herrnhuter Missionshilfe, das Kinder und Jugendliche mit Behinderungen aufnimmt und unterstützt. Alljährlich wird hier der Stern mit einer besonderen Feier aufgehängt – gemeinsam von Juden, Christen und Muslimen. In Malawi gibt es neun Brüdergemeinen, die ihre Wurzeln in der einstigen Missionsarbeit der Herrnhuter haben. Bei tropischen Temperaturen hängen die Kinder im Dzaleka-Camp, einem Flüchtlingslager, begeistert den Stern auf.
Glaubensflüchtlinge aus Böhmen und Mähren gründeten in Herrnhut die Urzelle ihrer christlichen Gemeinschaft. 2022 feiert die Unität ihr 300-jähriges Bestehen. Weltoffen wollten die Gründermütter- und Väter der Brüdergemeine sein und nie vergessen, dass sie selbst Flüchtlinge und Ausgestoßene waren, die keiner haben wollte.
Der Film stellt Frauen und Männer vor, die ihre ganz persönliche Geschichte mit dem Herrnhuter Stern erzählen. Die Herrnhuter haben auch Kirchen und Orte im Südwesten Deutschlands geprägt, beispielsweise Königsfeld. Architektur und Stadtplanung dieser Schwarzwaldgemeinde erinnern an Herrnhut in der Oberlausitz. Der Enkel des kürzlich verstorbenen Klaus Eiben verbindet mit der Liebe seines Großvaters für die Herrnhuter Sterne viele emotionale Erinnerungen. Er erinnert sich, wie sein Großvater erzählte, dass er in den Nachkriegsjahren als junger Schüler im Rundfunk-Kinderchor gesungen habe. Kalt sei es oft bei den Proben gewesen. Wenn es dann in die Leipziger Thomaskirche gegangen sei, sei es dort wärmer gewesen – und vom Gewölbe habe ein Herrnhuter Stern gestrahlt! Bis ins hohe Alter hat Klaus Eiben selbstgebastelte Sterne, und damit auch die Wärme, die er bei ihrem Anblick empfand, an Freunde und Bekannte auf der ganzen Welt verschickt.
Film von Anna Schmidt

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 25.12.2022 um 09:00 Uhr auf SWR.