

Flächenmäßig gesehen ist Europa nach Australien der kleinste aller Kontinente - und doch erweist er sich als unglaublich vielfältig und gleichzeitig einzigartig. Die Reihe "Europa ungezähmt" zeigt die vielseitigen Lebensräume unseres Kontinents mitsamt seiner tierischen Bewohner.
Der Mittelmeerraum gehört zu den berüchtigtsten Regionen der Erde. Hohe Temperaturen und geringer Niederschlag machen die südlichsten Breiten Europas zu einer der trockensten Regionen des Kontinents. In manchen Regionen fallen jährlich weniger als 400 Millimeter Regen - nur halb so viel wie in Deutschland. In Verbindung mit plötzlichen Regengüssen und kalt-feuchten Wintern hat das Klima enormen Einfluss auf die Lebensräume der hier beheimateten Tier- und Pflanzenwelt. Viele dieser Arten gibt es nirgends sonst auf der Welt - mehr als die Hälfte der 25.000 dokumentierten Tier- und Pflanzenarten sind nur in diesem europäischen Gebiet heimisch.
Dennoch findet sich eine große Vielfalt an Vögeln, Reptilien, Insekten und Pflanzen. Gemeinsam bilden diese Tiere und Pflanzen eine Lebensgemeinschaft, die sich grundsätzlich von der in Mittel- und Nordeuropa unterscheidet. Auf der Iberischen Halbinsel beispielsweise wachsen einzigartige Wälder aus immergrünen Korkeichen und bieten Lebensraum einer extrem seltenen Raubkatze: der Pardelluchs. Es gibt nur noch 150 Tiere seiner Art. Die wüstenhaften trockenen Regionen sind Heimat von Perleidechsen, Hornottern und Chamäleons.
Oder die Extremadura: Sie ist für ihre großen Geier-Vorkommen bekannt - wahre Flugkünstler, die in Höhen von bis zu 6000 Metern kreisen. Sie sorgen dafür, dass kein großer Kadaver liegenbleibt und in der Hitze verfault. Perleidechsen hingegen benötigen ausgedehnte Sonnenbäder, vor allem im Frühjahr und Herbst. Sie gelten als besonders wärmebedürftig und werden im heißen Hochsommer schneller aktiv.
Vor allem das Mittelmeer prägt den Süden Europas, seine lange Küstenlinie bildet einen ganz eigenen Lebensraum - mit wilden Steilküsten, weiten Sandstränden und unbewohnten Inseln. Die Atlantikküste hingegen ist oft felsig und wild, so wie in Portugal. Dort haben sich Weißstörche eine ökologische Nische erobert. Immerhin müssen sie auf diesen einsamen Felsen im Meer keine Landraubtiere fürchten. Doch es droht Gefahr aus der Luft in Form von Möwen. Genau wie in Zypern, wo sie Jagd auf die gerade erst geschlüpften Schildkröten machen.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Samstag, den 19.11.2022 um 13:15 Uhr auf MDR.