So sind in Kabul die Wracks von abgeschossenen Flugzeugen verschwunden, die Ruinen an den Straßen von Apartmenthäusern und Shopping-Malls, neuen Hotels und schicken Restaurants ersetzt. Vieles ist aber auch gleich geblieben. Gewalt bestimmt nach wie vor den Alltag. Opiumlords beherrschen mit ihren privaten Armeen den Süden und Osten. Den Norden durchdringen verstärkt die Taliban. Und trotz internationaler Überwachung gibt es Selbstmordattentate, Entführungen und tödliche Angriffe.
Der Dokumentarfilm beginnt im Jahr 2002, kurz nach dem Ende des Taliban-Regimes. Mir und seine Familie hatten sich damals in eine Höhle neben den zerstörten Buddhas von Bamiyan gerettet. Nach einem Jahr konnten sie wieder in ihr Dorf in einem Wüstengebiet im Norden Afghanistans zurückkehren. Der neunjährige Mir bewegt sich voller Lebenslust unbeschwert zwischen all den Problemen der Erwachsenen. Mit zunehmendem Alter verliert er diese Unbekümmertheit.
In der Schule, die mit internationaler Hilfe errichtet wurde, strengt er sich an, denn er möchte Lehrer werden. Er ist zerrissen zwischen dem Anspruch der Familie, für ihren Lebensunterhalt zu sorgen, und seinen Wünschen für die eigene Zukunft. Als Teenager werden ihm Motorräder und der Spaß mit Freunden wichtiger. Er möchte nun nicht mehr Präsident von Afghanistan oder Lehrer werden, es genügt ihm, nicht im Kampf zu fallen.
Filmemacher Phil Grabsky fragt, was sich in dieser Dekade in Afghanistan geändert hat. Was haben der Einsatz der USA und der Nato-Alliierten dem Land gebracht? Wird Mir als Opiumbauer oder Soldat enden? Und kann der fatale Kreislauf aus Krieg und Opium je unterbrochen werden?
"Der Junge Mir" ist das Porträt einer Familie in Afghanistan voller Härte und Bitterkeit, aber auch voller Humor und Zärtlichkeit von dem britischen Filmemacher Phil Grabsky, der für seinen Film "The Boy who Plays on the Buddhas of Bamiyan" über das erste Jahr seiner Bekanntschaft mit Mir zahlreiche internationale Preise gewonnen hat.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Mittwoch, den 19.10.2022 um 00:45 Uhr auf phoenix.