

* Marburg: Die Hauptstadt blinder Menschen
In keiner anderen deutschen Stadt gibt es im Verhältnis so viele blinde und sehbehinderte Menschen wie in Marburg. Akustische Ampeln, Bodenleitsysteme, sprechende Aufzüge und taktile Stadtpläne sind hier schon seit langem weit verbreitet. Moderator Martin Fromme lässt sich von blinden Studentinnen und Studenten die Stadt zeigen. Er besucht eine inklusive Schulklasse der blista, das ist das bundesweite Kompetenzzentrum für Menschen mit Blindheit und Sehbehinderung. Dieses wurde bereits vor über 100 Jahren gegründet. Der blista und vielen anderen Akteuren der Stadt ist es zu verdanken, dass Marburg heute als "Blindenhauptstadt Deutschlands" gilt. Und auch die Philipps-Universität mit ihrem einzigartigen inklusiven Studentenwohnheim sind unbedingt einen Besuch wert.
* Gegen Schubladendenken und andere Barrieren
Clara Klebba weiß, was es heißt, in eine Schublade gepackt zu werden. Die 22-Jährige hat vor 3 Jahren ihre Sehkraft verloren und ist fast blind. Aufgrund ihrer Behinderung soll sie nun als IT-Kauffrau arbeiten - ein Job, der ihr weder liegt, noch Freude macht. Doch das sei angeblich der einzige Weg, der ihr bleibe. Aber Clara gibt sich damit nicht zufrieden. Derzeit arbeitet sie als Kellnerin und beweist tagtäglich, dass es auch anders geht. Sie erlebt die Barrieren und Vorbehalte sehr drastisch, da sie das Leben auch ohne kennt. Und Clara möchte etwas dagegen unternehmen. Indem sie ihre Grenzen selbst sucht und ihren eigenen Weg findet.
* Unter Sehenden
Kathrin Gießner ist seit ihrer Geburt blind. "Ich glaube, früher Lichtimpulse gesehen zu haben. Jetzt sehe ich nichts mehr", sagt die 43-Jährige. Kathrin Gießner lebt in Chemnitz und arbeitet in Leipzig, im "Deutschen Zentrum für barrierefreies Lesen". Dort übersetzt sie gedruckte Bücher für blinde Menschen in Brailleschrift. Dass Wohn- und Arbeitsort so weit auseinanderliegen, ist zwar anstrengend, den Weg nimmt sie aber trotzdem auf sich. Mit all seinen Hürden. In Sachen barrierefreier Nahverkehr haben die Städte in den letzten Jahren ganz unterschiedliche Fortschritte gemacht, aber "In Leipzig an der großen Straßenbahnhaltestelle am Bahnhof fühle ich mich absolut verloren.", sagt Kathrin Gießner. Sie kämpft im Projekt "ÖPNV für alle" und im "Blinden- und Sehbehindertenverband Sachsen" dafür, dass die Barrieren abgebaut werden.
* Mit anderen Augen: Jennifer Sonntag über den “Stock mit Stil”
Dieses Mal spricht Inklusionsbotschafterin Jennifer Sonntag über das Thema stilvolle Hilfsmittel. Die Sozialpädagogin und Autorin ist mit Anfang 20 erblindet. Seitdem ist sie meistens mit ihrem Blindenführhund oder ihrem Blindenlangstock unterwegs. Ihr ist es wichtig, dass der Blindenlangstock nicht nur gut funktioniert, sondern auch im Design gut zu ihr passt. Ein Accessoire, in dem sich Jennifer Sonntag wiederfinden kann. Und das so dabei hilft, die Behinderung besser annehmen zu können.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Samstag, den 23.04.2022 um 07:05 Uhr auf RBB.