

Der Atomunfall in Tschernobyl ereignete sich am 26. April 1986 im ukrainischen Lenin-Kernkraftwerk, in der einstigen Sowjetunion. 18 Tage sollte es dauern, bis der glühende Reaktor gelöscht war. Rund 600.000 Arbeiter kamen als „Liquidatoren” aus der Ukraine, aus Weißrussland, Lettland, Litauen und Russland, um die umliegenden Gebiete zu dekontaminieren und von den verstrahlten Trümmern zu befreien. 60.000 von ihnen starben unmittelbar nach dem Einsatz, knapp 200.000 trugen lebenslange Krankheiten davon.
Die Katastrophe von Tschernobyl steht als Super-GAU auf der siebten und höchsten Stufe der internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse, ganz wie der Unfall in Fukushima von 2011
Vor Fukushima gab es bereits ein Buch. Das Buch der nobelpreisgekrönten weißrussischen Journalistin und Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch, „Tschernobyl: Eine Chronik der Zukunft”. In diesem vielstimmigen Werk hat Alexijewitsch mit vielen Zeugen des Geschehens und unmittelbar Betroffenen gesprochen und deren Erinnerungen aufgezeichnet und literarisch verarbeitet. Sie spricht nicht nur über die Folgen der Atomkatastrophe, sondern auch über die Natur, die Erde, den Menschen als selbsternannten Gott, über Zukunftsängste und Zuversicht, Glauben und Liebe.
In seinem Film „Das Gebet” hat der luxemburgische Filmemacher Pol Cruchten diese Texte nun zu eindringlichen und psychologischen Porträts verdichtet. Er zitiert größtenteils Alexijewitschs Buch und gibt den Betroffenen dabei Gesichter. Seine feinfühlig ausgewählten Protagonisten stehen stellvertretend für die Zeitzeugen. Entstanden ist ein hoch visueller, sensibler Porträtfilm, der in ästhetischen, festen Einstellungen die passenden Stimmungen kreiert und die Erinnerungen nachinszeniert. Seine Protagonisten stehen stellvertretend für die Zeitzeugen aus Alexijewitschs Buch.
Dabei ist der Dokumentarfilm bewusst subjektiv gehalten, um die ganz persönlichen Schicksale zu verstehen, aus denen die Wirklichkeit in Tschernobyl besteht. Für viele ist Tschernobyl bereits Geschichte, weit entfernte Geschichte, in einem weit entfernten Land. Oft vergisst man, dass Tschernobyl hier und heute fortlebt. Doch die Wunden der Vergangenheit müssen heilen, um positiv in die Zukunft zu blicken.
„Das Gebet” wurde 2016 mit dem Hauptpreis des Internationalen Umweltfestivals in Paris ausgezeichnet (Festival international du film d'environnement).
"Das Gebet" wurde 2016 mit dem Hauptpreis des Internationalen Umweltfestivals in Paris ausgezeichnet (Festival international du film d'environnement).
Themenabend: Kernkraft - Eine strahlende Zukunft?
THEMA nimmt die Kernkraft ins Visier - von deren Entstehung bis heute. Strom aus Kernkraftwerken gilt als günstig, klima-freundlich, unabhängig von Wetterschwankungen und als die sauberste Methode der Stromerzeugung. Wäre da nicht die Frage nach einem Endlager für den radioaktiven Atommüll. Auch Störfälle, wie 2011 in Fukushima, erinnern an die weitere Gefahr der Kernenergie: den möglichen Super-GAU. Atomkraft, nein danke? Ja bitte? Die Gesellschaft ist gespalten. THEMA widmet diesen Abend der Atomkraft und deren Geschichte, Gefahren und Chancen.
Thorium-Flüssigsalzreaktor: Nie gehört? Kein Wunder, seit 70 Jahren wird die Technologie von der Nuklearindustrie totge-schwiegen. Dabei könnte Thorium - kaum Atommüll, kaum Risiko - die Energieproduktion komplett revolutionieren. THEMA durchleuchtet, warum Kernkraft aus Thorium 1945 eine technologische Totgeburt war, und warum es plötzlich doch der Brennstoff der Zukunft sein soll.
Danach zeigt der Filmmacher Manfred Ladwig in "Versenkt und Vergessen - Atommüll vor Europas Küsten" - den rücksichtslosen Umgang vieler Industrienationen mit den radioaktiven Abfällen, die ihr Endlager im Atlantik fanden. Doch mit welchen Folgen für das maritime Biosystem?
Zuletzt beschäftigt sich "Das Gebet" mit der Kernschmelze von Tschernobyl 1986. Der Film wirft einen Blick auf das Schicksal der Einsatzkräfte vor Ort und der Bevölkerung, die ungeschützt der radioaktiven Strahlung ausgesetzt waren.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Dienstag, den 29.03.2022 um 23:40 Uhr auf arte.