1935 offiziell eröffnet war sie ein Marketing-Coup der Nationalsozialisten, um Weinabsatz und Tourismus anzukurbeln. Trotz Zweitem Weltkrieg und dem Zusammenbruch des NS-Staates: Die Weinstraße ist in der Bundesrepublik - touristisch und wirtschaftlich gesehen - erfolgreich. Viele Menschen an der Weinstraße leben vom Weinbau. Gerhard Hoffmann zum Beispiel, einer der ersten Bio-Winzer*innen in Rheinland-Pfalz. Obwohl aktives CDU-Mitglied und bekennender Katholik wurde er in den ersten Jahren als "grüner Bombenleger" angefeindet. Ihm sind selbst viele der gesetzlichen Regelungen des Bioanbaus heute nicht streng genug. Lieber verzichtet er aus Gewissensgründen auf Ernteerträge, als in Sachen Bio kleinste Kompromisse einzugehen. Chie Sakata kam erst mit 18 Jahren aus Japan nach Deutschland und hatte in ihrer Heimat keinerlei Berührung mit dem Thema Wein. Zehn Jahre später war sie Kellermeisterin und Chefin von fünfundzwanzig Mitarbeitenden in einem renommierten alten Familienweingut. Filmschauspieler Holmes Zimmermann, ein James Dean der Zwanziger Jahre, ist ein Kind der Weinstraße, genauso der berühmte General Hartmann oder der Erfinder des Zollstocks, dem in der Heimat ein Denkmal gewidmet wurde. Die Heimatforscherin und Journalistin Judith Ziegler-Schwaab hält mit Leidenschaft das Andenken an die "großen Söhne" wach. Doch auch gastronomisch lässt sich manches entdecken: Selbst Französinnen und Franzosen sowie Elsässer*innen kommen zum Schneckenessen ins pfälzische Grünstadt. Im Restaurant "Scharfes Eck" stehen ökologische Weinbergschnecken aus der eigenen Schneckenfarm auf der Speisekarte. Züchter und Hotelchef Thomas Charlier hält 60.000 Schnecken, die überwiegend in seinem Haus verspeist werden.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Montag, den 26.07.2021 um 04:15 Uhr auf SWR.