

Von der Synagoge am Berliner Fraenkelufer, 1913 errichtet, ist heute nur noch ein Seitentrakt erhalten. Um einen Wiederaufbau kümmerte sich lange niemand. Mario Marcus und seine Familie bedauern das sehr, denn sie sind der Synagoge schon in der vierten Generation treu: Bereits die Großeltern besuchten sie regelmäßig, gleich mehrere Hochzeiten feierte die Familie dort. Und heute ist Enkel Jonathan im Vorstand der Synagoge.
Doch seit ein paar Jahren gibt es Hoffnung: Der Israeli Dekel Peretz und seine deutsche Frau Nina setzen sich massiv für einen Wiederaufbau des alten Gebäudes ein. Denn eine junge Gemeinschaft in "Kreuzkölln", dem Übergang von Kreuzberg zu Neukölln, findet hier einen Platz, an dem sie sich trifft, gemeinsam betet, Lernnächte veranstaltet und vieles mehr. "Es ist eine Grassroot-Gemeinde, in der sich jeder engagiert", sagt Nina Peretz über die Gemeinschaft, in der sich junge israelische Familien genauso finden wie Vertreter von "Keshet", einer queeren Organisation. Oder auch misrachische, orientalische Juden wie der Schriftsteller Mati Shemoulof, dessen Eltern aus Bagdad stammen.
Sie alle bilden eine bunte Gemeinde, der die Räume zu eng werden. Die neue alte Synagoge soll Platz bieten, aber auch neue Möglichkeiten: Mit einem Café, Ausstellungen und Veranstaltungen will sich die junge Gemeinschaft am Fraenkelufer auch der nichtjüdischen Welt öffnen und sie einladen.
Film von Andrea Roth
Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 16.05.2021 um 13:15 Uhr auf Das Erste.