Es sind weder Mitleid noch der Wille, etwas Gutes zu tun, die sie antreiben. Das Heim kommt ihr vor, wie ein umzäuntes Paradies auf Erden. 300 Mädchen leben hier und werden von Nonnen als Schwestern einer großen Familie erzogen - diejenigen, die nicht adoptiert werden, wachsen hier auf, bis sie Erwachsen sind. Über die Schicksale, die die Mädchen hier erlitten haben, bevor sie in das Waisenhaus kamen, spricht Sunanda wenig. "Es ist eben Indien", sagt sie nur mit einem freundlichen Lächeln. Sie und die Mädchen aus dem Heim sind ein Spiegel füreinander.
Sunanda zeigt ihnen eine mögliche Zukunft, ein Leben, das sie irgendwann, nach der Zeit im Waisenhaus, vielleicht auch haben könnten. Durch diese Mädchen erfährt sie wie sie aufgewachsen wäre, wenn sie Indien als Kind nicht verlassen hätte. Es ist die Neugier für die unbekannte Heimat und die aufdringlichen Fragen nach ihrem Zuhause, die Sunanda wieder zurück nach Indien bringen und ihr hier eine neue Welt erschliessen. In Mumbai läuft sie stundenlang durch die unterschiedlichen Bezirke der Stadt, bis sie den Endruck hat, wieder etwas Bekanntes zu erleben, ein Fragment ihrer Kindheit - ein Geruch oder eine Farbe - erneut gespürt zu haben: sie besucht Orte, die voller Widersprüche, die vielleicht auch Spuren ihres Lebens verbergen.
Ein Zuhause, die kulturellen Wurzeln sind eine Selbstverständlichkeit für die meisten Menschen, sagt sie, aber eine permanente Suche für diejenigen, die das eigene Land früh verlassen mussten. Der Film begleitet Sunanda von Basel nach Indien und drei Wochen lang durch Mumbai: Mit ihr erleben die Zuschauer die unterschiedlichen Gesichter der indischen Metropole, genießen die Ruhe eines Sonnenuntergangs am Strand und spüren Exotisches im Chaos eine großen Marktes, das Sunanda fremd und vertraut zugleich vorkommt.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Freitag, den 23.10.2020 um 10:00 Uhr auf HR.