

Computer-Firmen wie Nixdorf in Paderborn zeigten schon Anfang der 70er, wohin die Reise ging. High-Tech statt Schwerindustrie.
* Altes prallt auf Neues
Es ergab sich ein seltsames Nebeneinander von Alt und Neu: Von Bergarbeitersiedlungen und futuristischen Wohnkonzepten, wie das Colonia-Hochhaus in Köln, bis heute eins der höchsten Wohnhäuser Europas. Auch im Verkehr prallte Altes auf Neues: Dampflokomotiven waren noch keine Museumsstücke, sondern fuhren nach Fahrplan, während in Hochschulstädten wie Aachen kräftig am ersten Elektro-Auto gearbeitet wurde. In manchen Gegenden von Siegerland und Eifel wurden die Felder noch mit Ackerpferden bestellt, während im Tal von Effelsberg ein riesiges Ohr ins All entstand - für viele Jahre das größte voll bewegliche Radioteleskop der Welt. Zeitenwende in NRW.
* Protestkultur
Und das nicht nur in der Wirtschaft: Die kommunale Gebietsreform machte mächtig Ärger. Bürger ließen sich nicht mehr alles vor die Nase setzen. Im Gefolge der 68er kam eine regelrechte Protestkultur auf: Proteste kleiner Gemeinden gegen die Vereinnahmung durch die großen Städte; Proteste für den Minirock und gegen die Fremdbestimmung der Frau; Proteste gegen Atomkraftwerke.
* Ein bewegtes Jahrzehnt
Die 70er waren ein bewegtes Jahrzehnt, in NRW vielleicht noch bewegter als anderswo, geprägt von gesellschaftlichen Auseinandersetzungen, von RAF-Terror, Angst, Rasterfahndung. Aber auch von fantastischen Höhenflügen, für die Menschen aus NRW sorgten. Menschen wie Fußball-Legende Bertie Vogts, der 1970 zunächst mit der Borussia Mönchen-Gladbach Deutscher Meister wurde, und vier Jahre später mit der Nationalmannschaft auch noch die Weltmeisterschaft gewann. Menschen wie Juliane Werding aus Essen, die mit dem Lied "Der Tag, als Johnny Kramer starb" die Hitparaden eroberte. Menschen wie Ulrike Meyfarth aus Wesseling, die bei den Olympischen Spielen 1972 nicht nur die Goldmedaille im Hochsprung gewann, sondern gleich noch einen neuen Weltrekord aufstellte. Ebenfalls dabei sind auch der damalige NRW-Innenminister Burkhard Hirsch, Schauspielerin Marie-Luise Marjan, Frauenrechtlerin Alice Schwarzer und Undercover-Journalist Günter Wallraff. Sie alle erzählen sie ihre Geschichten, teils mit bislang unbekannten Details und selten gezeigtem Filmmaterial aus dem WDR-Archiv.
* Geschichten von Menschen
Aber auch weniger bekannte Menschen aus unserem Land kommen zu Wort, die das Leben in unserem Land in den 70ern oft genauso geprägt haben, und die von unserem Land geprägt wurden: Da ist der GSG-9-Mann Dieter Fox, der nach seiner Ausbildung in St. Augustin im Antiterroreinsatz bei der Suche nach dem entführten Arbeitgeberpräsident Schleyer eingesetzt war und zu dem Kommando gehörte, das die Geiseln in der entführten Lufthansa-Maschine "Landshut" befreite. Da ist die Vietnamesin Le Tu Phuong, die als 15-Jährige nach Oberhausen kam, um medizinisch behandelt zu werden und in NRW strandete. Da sind die Brüder Richie und Volker Kahl, die "Travoltas von der Ruhr", die sich in den neuen Diskos von der Revier-Tristesse los tanzten; und Jochen Bludau, der "Old Shatterhand von Elspe", der es schaffte, den "einzig echten" Winnetou für die Karl-May-Festspiele zu verpflichten: Pierre Brice.
* Leben im Wandel
Wie Mosaiksteine ergeben ihre Geschichten ein lebendiges Bild vom Leben in den 70ern in NRW als ein Leben im Wandel, im Um- und Aufbruch, ein Leben in der Zeitenwende. Bei all den Veränderungen in dieser Zeit und seitdem, zeigt sich dabei, dass viele Probleme und Themen damals gar nicht so anders gelagert waren als unsere heutigen: von Umweltschutz bis Terrorangst, von Gleichberechtigung bis demokratische Mitbestimmung. Erzählt wird der Film über Unser Land in den 70ern von WDR 2-Moderator Thorsten Schorn, selbst ein Kind der 70er: Seinen bis heute anhaltenden Faible für die Farbe Orange führt er auf ein frühkindliches Kinderwagen-Trauma zurück.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Mittwoch, den 14.10.2020 um 06:00 Uhr auf phoenix.