

Man kaufte ein, hüben wie drüben, wo es gerade billiger war, man feierte zusammen, heiratete von hier nach dort - wie es zwischen engen Nachbarn so üblich ist. Dütsche und Schwyzer, Deutsche und Schweizer, wussten um die Unterschiede und um das, was sie aneinander hatten in der Doppelstadt Konstanz-Kreuzlingen.
Bis zum Ersten Weltkrieg, als der freiheitlich gesinnten Schweiz der Hurra-Patriotismus der Deutschen unheimlich wurde. Mit der Nazidiktatur geriet die Nachbarschaft zur Zerreißprobe. Die Schweiz wollte neutral bleiben. Um jeden Preis. Ein Relikt aus jener Zeit ist der Festungsgürtel Kreuzlingen, der "antifaschistische Schutzwall" der Schweizer gegen die deutschen Expansionsgelüste, elf Kilometer lang. Als Bauernhäuser und Holzstapel getarnte geheime Kampfbunker werden bis heute von Ex-Militärs, wie dem ehemaligen Oberst Urs Ehrbar, gepflegt. Der Vater von Heidi Hofstetter war Grenzwächter in Kreuzlingen. Im dortigen Museum Rosenegg hat sie alles gesammelt, was das Verhältnis von "hüben und drüben" beleuchtet. An der Schweizer Grenze wurde Georg Elser nach dem nur knapp gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler geschnappt. Grenzen zu Land, aber keine Grenze zu Wasser. Der 63 Kilometer lange Bodensee, obwohl von drei Staaten umzingelt, kommt ohne Trennungslinien aus. Auf den Segelbooten der alljährlichen Regatta bilden nicht selten gemischte deutsch-schweizerische Teams die Mannschaft. Heute ist man wieder "mitenand und durenand" wie Heidi Hofstetter sagt. Darüber sind sich Historiker, Handballerinnen und Bürgermeister der Doppelstadt einig.
Film von Harold Woetzel
Die Sendung wird ausgestrahlt am Freitag, den 04.09.2020 um 10:35 Uhr auf HR.