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Korruption und Wohnungsbau

Das Ende der Neuen Heimat
Montag, 17.08.2020 05:45 Uhr
phoenix
Montag
17.08.2020
05:45 Uhr
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Bildquelle: Pressebild (ard2017)
Bildquelle: Pressebild (ard2017)

Bis 1982 war die Neue Heimat der größte Baukonzern Europas mit Sitz in Hamburg und Filialen in allen größeren Städten. Der Konzern hat entscheidend dazu beigetragen, das Wohnungselend im Nachkriegsdeutschland zu lindern. Er gab entscheidende Impulse für den Städtebau der 1960er und 1970er Jahre. Die Neue Vahr in Bremen, Neuperlach in München, Kongresszentren in Berlin und Hamburg, das Klinikum in Aachen, die Uni in Göttingen. Die Liste der Bauwerke und Trabantenstädte der Neuen Heimat ist endlos. Oder wie es der Historiker Peter Kramper formuliert: "Sie haben in Deutschland alles gebaut, was groß und sichtbar ist, um nicht zu sagen: hässlich." Allein in München Neuperlach baute die Neue Heimat auf einen Schlag Wohnungen für 70.000 Menschen - eine ganze Stadt!

Die Neue Heimat kassierte viele Millionen Mark Steuergelder von Städten und Gemeinden, weil der Konzern gemeinnützig war. Am Ende besaß der Konzern fast 400.000 Wohnungen. Die Neue Heimat machte in den besten Zeiten einen Jahresumsatz von über fünf Milliarden Mark. Trotzdem war die Neue Heimat 1982 nahezu pleite, denn die Manager waren nicht nur korrupt, sie hatten sich auch noch gründlich verspekuliert. Sie hatten übersehen, dass der deutsche Wohnungsmarkt ab Mitte der 1970er gesättigt war und bauten jahrelang am Bedarf vorbei. Etliche ihrer gigantischen Siedlungsprojekte endeten als vergammelte soziale Brennpunkte, die später sogar abgerissen wurden.

Die Gewerkschaften mussten am Ende die Neue Heimat stückweise verkaufen und verloren in Folge des Skandals nicht nur die Wohnungen, sondern auch ihre Bank, ihre Versicherung Volksfürsorge und die Einkaufsgenossenschaft Coop. Die Utopie von der gerechteren Art des Wirtschaftens wurde, fast unbemerkt von der Öffentlichkeit, abgeschafft, 1990 beseitigte die Kohl-Regierung auch noch das Gesetz zur Gemeinnützigkeit im Wohnungsbau.

Ein Fehler? Ist die Idee von der Gemeinwirtschaft im Wohnungsbau gescheitert oder sind es nur die Manager, die in ihrem Namen handelten? Braucht es 30 Jahre später wieder den gemeinnützigen Wohnungsbau für den kleinen Geldbeutel?

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Montag, den 17.08.2020 um 05:45 Uhr auf phoenix.

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Schlagwoerter
Dokumentation/Reportage, Wohnungsmarkt, Geschichte, Wirtschaft