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mein ausland: Colonia Dignidad

Das lange Schweigen
Freitag, 24.07.2020 19:15 Uhr
phoenix
Freitag
24.07.2020
19:15 Uhr
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Bildquelle: Pressebild (ard2017)
Bildquelle: Pressebild (ard2017)

"Die Strukturen der Sekte bestehen bis heute fort", sagt Horst Schaffrik, der noch immer auf dem Gelände der Colonia Dignidad lebt. Dort wurden jahrzehntelang durch Sektenführer Paul Schäfer und seinen Führungskreis Kinder missbraucht und politische Häftlinge der Pinochet-Diktatur gefoltert und ermordet. In seiner Reportage für die phoenix-Reihe "mein ausland" geht Matthias Ebert dem bis heute anhaltenden langen Schatten des Schreckensregimes der Sekte nach. Noch immer liegen Leichen auf dem riesigen Waldgrundstück verscharrt.

Filmautor Matthias Ebert, ARD-Korrespondent für Südamerika, trifft auf Willi Malessa, der in den 70er Jahren Skelette wieder ausgraben musste und erlebte, wie diese anschließend verbrannt wurden, um keine Spuren der Gräueltaten zu hinterlassen. Doch es soll immer noch vergrabene Leichen geben, und Malessa will helfen, diese unentdeckten Massengräber zu finden.

Viele Mitglieder des ehemaligen Führungskreises der Colonia Dignidad verweigern sich einer Aufarbeitung. Sie schweigen über die Massengräber. Die finanzielle Struktur der Sekte wurde nie aufgelöst. So besteht das Firmenkonstrukt, das Sektenführer Paul Schäfer selbst aufgebaut hatte, bis heute fort: Agrarbetriebe, ein Hotel und Immobilienfirmen, die in einer Aktiengesellschaft gebündelt sind. Schaffrik spricht von einem "teuflischen Konstrukt". Denn obwohl Sektenmitglieder wie er das riesige Unternehmen mit Bauernhöfen, Forst und Fabriken gemeinsam aufgebaut hatten, profitieren davon heute nur wenige.

Es sind vor allem die Kinder der ehemaligen Sektenführung, die die Vorsitzenden der heutigen Nachfolge-Firmen sind. Die restlichen Sektenmitglieder, wie Schaffrik, sind zwar Aktionäre dieses Konstrukts, aber erhalten keinerlei Rendite. Obwohl sie jahrzehntelang zu Schwerstarbeit gezwungen wurden, haben sich nichts vom Gemeinschaftsbesitz. Weil sie auch keine Rente beziehen, stehen sie vor der Altersarmut.

Gleichzeitig blockieren die Firmenchefs, die Kinder der früheren Sektenführung, die Aufarbeitung der Sektenverbrechen. Juristisch wehren sie sich dagegen, dass es einen Gedenkort auf dem Sektengelände geben soll - wie Deutschland und Chile auf staatlicher Ebene vereinbart haben. Und sie zögern mit allen Mitteln die Auszahlung von Entschädigungen hinaus, die missbrauchten chilenischen Kindern juristisch zusteht.

Auch Chiles Menschenrechtsminister Hernán Larrain blockiert die Aufarbeitung. Er war jahrzehntelang ein Freund der Sekte - vor allem zu Zeiten der massiven Folter dort zu Beginn der Pinochet-Diktatur. Unter Larrain als Verantwortlichem kommt die Aufarbeitung derzeit nicht voran - weder beim Gedenkort noch bei der Suche nach Massengräbern. Auch die Bundesrepublik Deutschland hält sich mit Druck auf die Akteure in Chile zurück. Dabei wäre es im Jahr 2020 an der Zeit, die Ungerechtigkeit zu bekämpfen, die bis heute im Fall Colonia Dignidad besteht, findet Horst Schaffrik.
Film von Matthias Ebert

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Freitag, den 24.07.2020 um 19:15 Uhr auf phoenix.

Details
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stereo
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16:9
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Schlagwoerter
Dokumentation/Reportage, Chile, Recht/Justiz, Geschichte, Porträt/Biografie, Deutschland