

Eigentlich würde das männliche Kalb Willi kurz nach seiner Geburt von seiner Mutter und der Milchkuh-Herde getrennt werden. So ergeht es fast allen Kälbern in der Milchviehhaltung in Deutschland. Denn die Kälber trinken die Milch, die verkauft werden soll. Willi hat Glück gehabt. Er darf bei seiner Mutter Tana bleiben. Der Hof, auf dem Kuh und Kalb leben, praktiziert die sogenannte muttergebundene Kälberaufzucht.
Im Betrieb bei De Oeko Melkburen leben die Kälber drei Monate lang mit ihren Mutterkühen im natürlichen Herdenverband. So ist es den NDR Autoren Antonia Coenen und Philipp Juranek möglich, mit der Kamera zu beobachten, wie sich die Verbindung von Mutterkuh und Kalb entwickelt und welche Rolle die Herde auch für hochgezüchtete Milchkühe immer noch spielt.
Willi bekommt nach etwa elf Wochen eine Nasenkappe, die verhindert, dass er weiter Milch bei seiner Mutter säugt. Mit etwa zwölf Wochen wird er von der Mutter getrennt und kommt auf eine sogenannte Jugendweide. Er lebt wie alle Rinder auf dem Hof ganzjährig draußen.
Landwirt Hans Möller hat vor fünf Jahren auf die muttergebundene Kälberaufzucht umgestellt. Für ihn war es eine emotionale Entscheidung mit wirtschaftlichen Risiken.
Inzwischen ist er von seiner Art der Milchviehhaltung überzeugt. In einer Zeit, in der viele Milchviehbetriebe aufgeben müssen, wirtschaftet Hans Möller erfolgreich. Sein Hof ist ein Mischbetrieb mit etwa 30 Milchkühen. Hans Möller ist Landwirt aus Leidenschaft. Eindrucksvoll lebt er vor, dass Tierwohl und wirtschaftlicher Nutzen sich nicht ausschließen. Aus der Reihe "Die Reportage"
Die Sendung wird ausgestrahlt am Donnerstag, den 09.07.2020 um 02:20 Uhr auf tagesschau24.