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corona nachgehakt: Wie ansteckend sind Kinder?

Moderation: Alfred Schier
Sonntag, 14.06.2020 13:45 Uhr
phoenix
Sonntag
14.06.2020
13:45 Uhr
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Bildquelle: Pressebild (ard2017)
Bildquelle: Pressebild (ard2017)

Die Corona-Pandemie wirft viele Fragen, Ängste und Sorgen auf - auch betreffend der Auswirkungen auf Kinder. Eine Frage wird aktuell intensiv diskutiert: Wie infektiös sind Kinder überhaupt?

Laut dem Robert-Koch-Institut ist die Rolle von Kindern als Krankheitsüberträger von Covid-19 noch nicht ausreichend untersucht, um abschließende Bewertungen abzugeben. Im Epidemiologischen Bulletin vom 07.05.20 schreibt das Institut, dass Kinder häufiger einen milden oder sogar asymptomatischen Verlauf einer Corona-Infektion haben als Erwachsene. Dazu kommt, dass die meisten Corona-Erkrankungen bei Kindern nicht erkannt werden, weil diese seltener Symptome der Erkrankung aufweisen und dann getestet werden, sondern weil sie im Rahmen einer sogenannten Kontakt-Personennachverfolgung ohne Symptome positiv getestet werden.

Kinder werden also deutlich seltener als potenzielle Kontaktpersonen erkannt. Überträger können sie aber trotzdem sein.

Die wichtigste Maßnahme gegen die Verbreitung der Corona-Pandemie ist auch die frühzeitige Nachverfolgung von Infektionsketten und Isolierung von potenziell erkrankten Personen. Infektionsketten, die von Kindern ausgehen oder an denen Kinder maßgeblich beteiligt sind, lassen sich aber aufgrund der hohen Zahl an asymptomatischen oder extrem mild verlaufenden Fällen oft nicht durchbrechen, da die Erkrankungen schlicht nicht - oder zu spät - erkannt werden. Allerdings liegen laut Robert-Koch-Institut nur wenige Daten vor, inwiefern Kinder und Jugendliche zur Verbreitung des Corona-Virus in der Bevölkerung beitragen.

Die meisten Studien zeigten bisher, dass Kinder durch Erwachsene angesteckt wurden. Allerdings ist vorstellbar, dass aufgrund des engen Kontaktes unter Kindern, insbesondere unter kleinen Kindern, und unter Jugendlichen auch dort Übertragungen stattfinden. In der Praxis scheint es aber so zu sein, dass Kinder sich meist bei Erwachsenen infizieren. So berichtet der Dresdner Kinderarzt Reinhard Berner, dass sich rund 80 Prozent seiner kleinen Patienten bei Eltern oder Verwandten angesteckt haben.

Eine wichtiger Aspekt bei der Frage, wie infektiös Kinder selbst sein können, ist die Frage, wie hoch die Viruslast des potenziellen Überträgers ist, also: Wie viele Viren ein Mensch in sich trägt und verbreiten kann. Je höher die Virenlast, desto höher die Möglichkeit, das Virus zu verbreiten. Es gab eine Zeit lang die Theorie, dass Kinder eine geringere Virenlast als Erwachsene hätten - und damit weniger infektiös seien. Eine Forscherteam der Berliner Charité fand jedoch in einer Laborauswertung Ende April heraus, dass es keine nachweisbaren Unterschiede in der Viruslast zwischen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen gibt. Das bedeutet, dass Kinder genauso ansteckend sein können wie Erwachsene. Eine weitere Studie, diesmal von der Universität Genf, beschreibt, dass es naiv sei, Kinder nicht als Überträger zu bezeichnen. Für die Forscher ist es plausibel, dass auch Kinder das Virus übertragen können. Diese Studie ist allerdings eine Preprint-Publikation, was bedeutet, dass die Studie das wissenschaftliche Begutachtungsverfahren noch nicht vollständig durchlaufen hat.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht Kinder jedoch nicht als bedeutsame Treiber für die Übertragung des Virus. Die Datenlage für diese Einschätzung ist allerdings gering, Studienergebnisse sind durch Schul- und Kita-Schließungen auch nur schwer auf den Alltag übertragbar. "Die wirkliche Sero-Prävalenz werden wir jetzt erst lernen, wenn die Schulen und Kindergärten wieder mehr aufmachen", so Prof. Christian Drosten, Leiter des Instituts für Virologie an der Charité. In den letzten Wochen haben sich Berichte über schwere Krankheitsverläufe unter Kindern und Jugendlichen gehäuft, bei denen ein Zusammenhang mit Corona vermutet wird. Die Symptome dieser Verläufe ähnelten dem bereits seit Jahren bekannten Kawasaki-Syndrom: Fieber, starke Bauchschmerzen, Ausschläge und eine geschwollene Zunge. Diese Gefäßerkrankung kann bis zu Organversagen führen, mitunter wird das Herz geschädigt. Allein in Europa gibt es seit Jahresbeginn 230 Verdachtsfälle (Stand: 20.5.2020).

Auch in den USA gibt es einige Fälle. Ob es aber tatsächlich einen Zusammenhang gibt zwischen dem Corona-Virus und dem Ausbruch des Syndrom ist, ist noch nicht abschließend geklärt, denn nicht bei allen Kindern konnten Hinweise auf eine Corona-Infektion gefunden werden. Das Kawasaki-Syndrom kann durch verschiedene Infektionen ausgelöst werden, denkbar wäre also auch die Auslösung durch das Corona-Virus.

Italienische Ärzte haben in der Fachzeitschrift "Lancet" eine Studie veröffentlicht, die dokumentiert, dass in den fünf Jahren vor dem Ausbruch der Pandemie in Bergamo insgesamt "nur" 29 Kinder mit dem Kawasaki-Syndrom behandelt wurden. Alleine zwischen Mitte Februar und Mitte April 2020 waren es bereits zehn.

Die Autoren der Studie zeigen auf, dass das einer etwa dreißigfach erhöhten Häufigkeit des Auftretens der Krankheit gegenüber "normalen" Zeiten entspräche.

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 14.06.2020 um 13:45 Uhr auf phoenix.

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Dokumentation/Reportage, Coronavirus, Kinder, Gesundheit/Medizin, Wissenschaft/Forschung