

Die Hardthöhe ist Gerhard Stoltenbergs drittes Ministerium. Er ist ein politisches Schwergewicht. Der einzige CDU-Politiker aus dem Norden, der es bis in die Bundesregierung geschafft hat. Unter seiner Führung verliert die Bundeswehr alte Feinde und gewinnt neue Freunde. Es ist die Zeit des großen Umbruchs. Am Ende auch für ihn. Stoltenberg ist durch und durch Zivilist und eigentlich der geborene Finanzexperte.
Sein Wechsel ins Amt des Verteidigungsministers 1989 beginnt mit einer politischen Intrige. Gerhard Stoltenberg möchte nicht Chef der Bundeswehr werden. Er will Finanzminister bleiben. Doch Bundeskanzler Helmut Kohl fürchtet den "kühlen Klaren aus dem Norden", wie Stoltenberg genannt wird. Denn der Schleswig-Holsteiner ist in den Umfragen beliebter als sein Kanzler. Viele in der Union sehen ihn bereits als Alternative zu Kohl.
Der Pfälzer schiebt Stoltenberg auf die schwer zu beherrschende Bonner Hardthöhe ab. Doch die Geschichte gibt Stoltenberg eine neue Chance. Nur wenige Monate nach seinem Amtsantritt fällt die Mauer. Plötzlich ist der Verteidigungsminister einer der wichtigsten Männer im Kabinett. Er muss die NVA friedlich auflösen und tausende DDR-Soldaten entlassen. Die Stimmung ist aufgeheizt. Die NVA steht noch unter Waffen. Die Soldaten haben Angst um ihre Zukunft und fühlen sich von der Geschichte verraten. Zudem hat Stoltenberg noch ein weiteres Problem: Das gigantische Waffenarsenal der DDR-Armee. Tausende von Panzern, Kanonen, Flugzeugen und Kriegsschiffen müssen entsorgt oder verkauft werden. Über fünf Milliarden Schuss Munition hatte die NVA gebunkert.
Außerdem muss der Verteidigungsminister die Bundeswehr neu ausrichten. Denn die militärischen Kräfteverhältnisse haben sich durch den Zusammenbruch der UdSSR radikal verändert. Und dann überfällt am Golf Iraks Diktator Saddam Hussein das kleine Öl-Emirat Kuwait. Die westliche Welt marschiert zur Befreiung Kuwaits auf und die Deutschen müssen überlegen, ob sie das erste Mal seit 1945 wieder in einen Krieg ziehen wollen.
In dieser schwierigen Zeit regiert Gerhard Stoltenberg mit Maß und Ruhe. Am Ende stolpert er über Waffenlieferungen, die es nie hätte geben dürfen. Seine Rolle dabei bleibt bis heute unklar. Der Film zeigt die Bundeswehr und ihren Minister in turbulenten Zeiten, von 1988 bis 1992.
Film von Björn Platz
Die Sendung wird ausgestrahlt am Samstag, den 30.05.2020 um 03:45 Uhr auf phoenix.