ESC zum Schließen · Enter zum Suchen

Rabenväter - Wenn Papa keinen Unterhalt zahlt

Film von Rita Knobel-Ulrich
Mittwoch, 13.05.2020 20:15 Uhr
ARD alpha
Mittwoch
13.05.2020
20:15 Uhr
Teilen:
Bildquelle: Pressebild (ard2017)
Bildquelle: Pressebild (ard2017)

"Papa hat Kohle, fährt einen Porsche, hat ein großes Haus." Das erzählen seine Söhne Ben, Tom und Sam. Sie wissen aber auch, dass ihr Vater keinen Unterhalt für sie bezahlt. Denn der Porsche und das Haus gehören angeblich der neuen Frau an Papas Seite. Und er behauptet, seine Geschäfte liefen schlecht. Deshalb könne er den Unterhalt nicht zahlen. "Sich arm rechnen" nennen Fachleute ein solches Verhalten. Andere Unterhaltspflichtige können tatsächlich nichts zahlen - weil sie wirklich arm sind.

Kinder sollen aber nicht unter zahlungsunwilligen Vätern (und in Ausnahmefällen auch Müttern) leiden. Also springt der Staat ein. Die Jugendämter zahlen bundesweit für aktuell rund 700.000 Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr den sogenannten Unterhaltsvorschuss. Derzeit kostet das den Steuerzahler pro Jahr rund eine Milliarde Euro.

Der Staat versucht zwar, das Geld bei den Unterhaltsverweigerern zurückzuholen, das gelingt aber nur in etwa 20 Prozent der Fälle. Wahrlich keine Erfolgsbilanz. Die Ursachen hierfür sind vielfältig.

Da sind die Ämter: Sie stöhnen unter der Last der Neuanträge, sind personell zu gering besetzt. Doch Städte und Kreise haben nichts davon, zusätzliche Stellen im Jugendamt zu schaffen, die das eigene Budget belasten. Denn der Unterhaltsvorschuss ist ein sogenannter "durchlaufender Posten". Das Geld für den Unterhaltsvorschuss kommt vom Bund und den Ländern. Entsprechend fließen die erfolgreich zurückgeholten Gelder wieder zurück. Warum also sollten kommunale Jugendämter zusätzliche Stellen schaffen, die sie selbst bezahlen müssten, um die ausstehenden Gelder einzutreiben, die sie dann doch wieder abführen müssten?

Und dann gibt es noch weitere Hürden: Der säumige Vater muss zwar einen Arbeitsvertrag vorlegen und das Finanzamt Auskunft erteilen über das Einkommen. Doch Abfragen bei der Bank, was tatsächlich auf dem Konto ist, oder beim Kraftfahrtbundesamt, ob das teure Auto nicht doch dem Kindsvater gehört, sind nicht möglich. Datenschutz!

Dazu kommt: wenn sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer einig sind und den Anstellungsvertrag entsprechend "gestalten", hat das Jugendamt wenig Chancen. In einschlägigen Internetforen geben sich Väter Tipps und kennen alle Tricks: Manche erwirtschaften als Selbstständige ein Einkommen, das genau unterhalb des sogenannten Selbstbehalts liegt. Oder sie geben vor, arbeitslos zu sein, arbeiten aber schwarz.

Es gibt aber auch Väter, die möchten nicht nur Zahlvater sein, sondern ihre Kinder zusammen mit der Mutter betreuen: einen halben Monat er, einen halben Monat sie. In diesem Fall ginge der Mutter der Unterhalt verloren. Bei drei Kindern wären das rund tausend Euro. Und spätestens dann geht der Streit um die Kinder los. Nicht aus übergroßer Liebe, argwöhnen manche Väter, sondern des Geldes wegen. Einige verabschieden sich deswegen aus zermürbenden Streitereien, tauchen ab und zahlen gar nichts mehr. Dann zahlt der Steuerzahler. Aber ist das die Lösung? 45 Min

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Mittwoch, den 13.05.2020 um 20:15 Uhr auf ARD alpha.

Livestream
Details
Audio-Format
stereo
Bild-Format
16:9
Farbe
farbe
Audio-Beschr.
nein
Hoerhilfe
ja
HDTV
ja
Logo-Event
nein
VPS
1589393700
Schlagwoerter
Dokumentation/Reportage, Menschen im Alltag, Recht/Justiz