

Unmittelbar vor Kriegsende am 16. März 1945 trifft die Bürger von Würzburg ein Terrorangriff der britischen Bomberflotte. Innerhalb kürzester Zeit wird die bisher noch intakte Altstadt in Schutt und Asche gelegt. Noch in einer Entfernung von 240 Kilometern können die zurück kehrenden Bomberbesatzungen den Feuerschein der brennenden fränkischen Barockstadt wahrnehmen. 5000 Menschen kommen in dieser Nacht ums Leben. Seit 1942 schon wird das so genannte" Moral Bombing" betrieben. Das Flächenbombardement ziviler Ziele, um die Bevölkerung zu demoralisieren und damit den Gegner empfindlich zu schwächen.
Zwei Wochen nach dem Angriff auf Würzburg erreichen die alliierten Bodentruppen an Tauber und Main erstmals bayerisches Gebiet. Deren Hauptstoß ist nicht auf Berlin gerichtet: So führt der Weg der amerikanischen Verbände quer durch Franken. Sie wollen den Rückzug der deutschen Truppen in die Alpen verhindern. In einer regelrechten Materialschlacht, in der sie ihre Überlegenheit voll ausspielen, kämpfen sich die US-Einheiten Stadt für Stadt und Dorf für Dorf voran.
Die Dokumentation folgt den vorrückenden Amerikanern auf Ihrem Weg nach Süden. Von der Bombennacht in Würzburg über den Kampf um Nürnberg bis hin zur Einnahme des Obersalzbergs bei Berchtesgaden; in einzelnen Episoden werden Schlüsselereignisse, Tragödien und Missverständnisse der letzten Kriegswochen in Bayern gezeigt.
Dafür wurde umfangreiches Filmmaterial ausgewertet, das die Kameramänner des United States Army Signal Corps täglich für die amerikanische Wochenschau drehten. Meist sachlich, dokumentarisch Bericht erstattend, erfährt man in diesem Material viel über den Ablauf der Offensive aus amerikanischer Perspektive. Bei genauerer Analyse des Rohmaterials fallen allerdings immer wieder eindeutig inszenierte Sequenzen auf. Die Gründe für diese Darstellungen können heute nur vermutet werden. Das heimische Publikum wollte informiert, wohl aber auch unterhalten werden. Verdeutlichung und Ergänzung vorhandenen Materials aber vor allem Emotionalisierung können Gründe für solche gestellten Aufnahmen sein. Dieses Aufladen mit Emotionen wird dann am eindrücklichsten betrieben, wenn symbolträchtig inszenierte Ereignisse gefilmt werden. Beispiele im Film sind die Siegerparade auf dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg, die Beerdigung von 160 KZ-Häftlingen in Neunburg vorm Wald oder die Vereinnahmung von Hitlers Berghof als Touristenziel für GIs. Und doch sind auch diese Bilder unschätzbare Dokumente - Dokumente allerdings, bei denen die Grenze zwischen Wirklichkeit und Inszenierung verschwimmt. Aus Archivmaterial und Originalfilmen aus US-amerikanischer Militärprovenienz entstandene Dokumentationen über das Kriegsende in Bayerns 1945 von Aschaffenburg bis Bad Reichenhall.
alpha-thema: 75 Jahre Ende des Zweiten Weltkriegs
Die Sendung wird ausgestrahlt am Dienstag, den 05.05.2020 um 18:00 Uhr auf ARD alpha.