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Wie Hitler doch nach Kassel kam

Seltene Filmaufnahmen aus Hessen vorgeführt von Jörg Adrian Huber Dreiteilige Sendereihe
Montag, 04.05.2020 01:45 Uhr
HR
Montag
04.05.2020
01:45 Uhr
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Die Dokumentation zeigt den heraufziehenden Nationalsozialismus in Hessen aus einer der Öffentlichkeit bisher wenig bekannten Sicht. Immer größer wurde in den 1930er Jahren die Zahl der Amateurfilmer.

Jörg Adrian Huber hat zahlreiche Filmschnipsel gesichtet und baut aus diesen Puzzleteilen ein Alltagsbild Hessens zwischen Adolf Hitlers "Machtergreifung" und dem Untergang des "Dritten Reiches" zusammen. Ärzte und Schwestern eines Frankfurter Krankenhauses feiern ihr Betriebsfest im Taunus, wo vor dem Eierlauf der Hitlergruß entboten wird. Die Frauen von Waldkappel nehmen lachend an der Luftschutzalarmübung teil, SA-Trupps helfen bei der Kasseler Altstadtsanierung.

Es sind die gleichen, die wenig später die Synagogen anzünden und Jagd auf Juden machen. In Allendorf ziehen die jungen Männer stolz und blumengeschmückt zur Musterung, den Krieg werden viele nicht überleben. Die Amateurfilmer jener Zeit fangen den braunen Alltag eher beiläufig ein. Die staatlich gelenkte Filmindustrie nutzt die suggestive Kraft der Bilder gezielt: Sie zeigt die Schönheit der Städte und Dörfer, aber auch, wie die Absolventen der Reichskolonialschule in Witzenhausen für die gewaltsame Eroberung von "Lebensraum im Osten" fit gemacht werden oder wie der Reichskriegertag in Kassel Soldaten der Wehrmacht und Männer der Waffen-SS zu einer aggressiven Masse zusammenschmiedet.

Obwohl der Diktator gar nicht anwesend war, wurde sein Bild in den Film kopiert: eine Fälschung, die seine Allgegenwart vortäuschen sollte. Als Hitlers Reich fast am Ende ist, filmen braune Chronisten die noch rauchenden Trümmer von Frankfurt, die Bergung verkohlter Leichen und verzweifelte Überlebende, die für eine Schüssel Suppe anstehen. Von den Verbrechen der Nationalsozialisten - Schutzhaft, Deportationen, Ermordung von Juden und Regimegegnern - gibt es kaum bewegte Bilder. Zu den wenigen Zeugnissen, die in Hessen gefunden wurden, gehören Aufnahmen von Zwangsarbeitern beim Roden des Stadtwaldes für den Frankfurter Flughafen. Aus unzähligen und vielfach noch nie gezeigten Schnipseln Filmmaterial setzt Jörg Adrian Huber eine mitreißende Erzählung über Hessen und seine Bewohner zwischen Kaiserzeit und Wirtschaftswunder zusammen. Was er in Archiven, auf Dachböden und in Privatsammlungen fand, fügt sich zu einem spannenden Zeitgemälde und lässt staunend teilhaben an ganz alltäglichen, an komischen und tragischen Momenten im Leben der Großeltern und Urgroßeltern.

Die Filmreihe entstand in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Filminstitut Frankfurt und der Murnaustiftung Wiesbaden und wurde von zahlreichen Archiven und Filmsammlungen in Hessen unterstützt.

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Montag, den 04.05.2020 um 01:45 Uhr auf HR.

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Dokumentation/Reportage, Geschichte, NS-Zeit und Folgen, 75 Jahre Kriegsende
Alternative Ausstrahlungstermine
04.05.2020 01:45HR