

Die 67-jährige Elena Nicoara treibt ihre Kühe auf die Weide. Seit 50 Jahren lebt sie in dem kleinen rumänischen Dorf Geamana in den Westkarpaten. Was sie zum Leben braucht, baut sie auf den Feldern rings um ihr Haus selbst an. Auch ihre Tiere weiden dort. Doch das Ende ihres beschaulichen Alltags ist in Sichtweite.
Neben ihrem Grundstück steigt der Wasserspiegel eines Sees, der für die Bewohner der Gegend zur Bedrohung geworden ist. Darin sammelt sich das Abwasser einer nahegelegenen Kupfermine, die das größte Kupfer-Vorkommen Rumäniens beherbergt: Gut eine Milliarde Tonnen Kupfererz lagern hier laut Angaben des Minen-Betreibers - mit einem geschätzten Gesamtwert von 13 - 14 Milliarden Euro. Dutzende Arbeiter bauen hier Kupfer ab, das vor allem nach China exportiert wird. Dabei gelangen aber offenbar auch Giftstoffe in die Umgebung.
Millionen Tonnen kontaminierter Schlamm sollen es inzwischen sein. Der hat bereits den Großteil von Geamana unter sich begraben. Nur der alte Kirchturm ist noch zu sehen. Die meisten ehemaligen Bewohner des Dorfes mussten sich verschulden, um sich anderswo eine Existenz aufbauen zu können. Nur noch zehn Familien leben in der Dörfern Vinta und Geamana und versuchen, ihr einfaches Leben dort, solange es geht, weiterzuleben. Denn Geld für einen Neuanfang haben sie nicht. Bald wird der Abwasser-See auch ihr Haus verschluckt haben, befürchtet Elena Nicoara. Die Reportage-Reihe auf ARTE erzählt Geschichten von Menschen - authentisch und ganz nah dran. Es sind Geschichten, die hinter den Schlagzeilen stecken, die berühren, erstaunen und zum Nachdenken anregen. In 30 Minuten zu einem aktuellen Thema zeigt jede Reportage eine Facette Europas, begegnet spannenden Menschen und taucht in andere Lebenswelten ein. "Re:" macht damit Europa in seiner Vielfalt erlebbar und begreifbar. Immer montags bis freitags um 19.40 Uhr und jederzeit im Netz.
Reportage Deutschland 2019
Die Sendung wird ausgestrahlt am Dienstag, den 12.05.2020 um 19:40 Uhr auf arte.