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Zeuge der Zeit: Max Volpert

Ein litauischer Junge
Samstag, 02.05.2020 21:45 Uhr
ARD alpha
Samstag
02.05.2020
21:45 Uhr
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Bildquelle: Pressebild (ard2017)
Bildquelle: Pressebild (ard2017)

Max Volpert wird 1931 in Kaunas, Litauen, in eine angesehene und freie jüdische Familie geboren. Alles ändert sich, als die Wehrmacht im Juni 1941 Litauen überfällt. Zu diesem Zeitpunkt ist Litauen seit einem Jahr von der Sowjetunion besetzt. Es finden grausame Pogrome an der jüdischen Bevölkerung statt. Mit der Wehrmacht zieht das Einsatzkommando 3 unter dem SS-Standartenführer Karl Jäger in das Gebiet und treibt die Vernichtung der jüdischen Bevölkerung massiv voran.

Max Volpert erlebt die folgende Zeit unzähliger Selektionen im Ghetto und weiterer Vernichtungsaktionen als Zehnjähriger Junge. In wenigen Monaten ermordet das Einsatzkommando 3 über 138 000 Juden in ganz Litauen und Karl Jäger rühmt sich in seinem Bericht: "Ich kann heute feststellen, dass das Ziel, das Judenproblem für Litauen zu lösen, vom EK. 3 erreicht worden ist. In Litauen gibt es keine Juden mehr, außer den Arbeitsjuden incl. ihrer Familien."

Als sich 1944 die Rote Armee dem Gebiet nähert, beginnen gewaltsame Deportationen zu den Vernichtungslagern in Auschwitz und Deutschland. Max Volpert kommt mit seinem Vater in das Außenlager Kaufering und wird bei den sogenannten Mollwerken am Bau des Bunkers für die Messerschmitt 262 nahe Landsberg gezwungen. Er wird nach einem Todesmarsch in Dachau befreit. Er ist 14 Jahre alt. Sein Vater überlebte die unmenschlichen Bedingungen am Bau nicht. Erst Jahre später erfährt Max Volpert, dass seine Mutter und seine kleine Schwester in Auschwitz ermordet wurden.

Regelmäßig erzählt Max Volpert in Israel, wo er heute lebt, und in Deutschland von seinen Erlebnissen: "Wir sind ja die letzten Zeitzeugen, die da sind. Wenn ihr Großeltern sein werdet, werdet ihr die Möglichkeit haben euren Enkel zu erzählen, dass ihr vor Jahren einen Häftling gesehen habt, der den ganzen Nazismus überlebte. Wenn das passiert ist, für mich ist das eine sehr wichtige Sache." Vor diesem Hintergrund hat es sich der Bayerische Rundfunk zur Aufgabe gemacht, das Zeugnis von Holocaust-Überlebenden zu dokumentieren und für künftige Generationen zu bewahren. Die Reihe "Zeuge der Zeit" spürt dem Schicksal von Menschen nach, die als Kinder, Jugendliche oder junge Erwachsene den Terror des NS-Regimes erleiden mussten. Menschen wie Aba Lewit, der lange geschwiegen hat und mit 94 Jahren zum ersten Mal im deutschen Fernsehen Einblick in seine Überlebensstrategien in nationalsozialistischen Konzentrationslagern gewährt. "Ich habe die ganze Zeit nicht damit gerechnet zu überleben", sagt er rückblickend. "Es war ein Leben auf die Minute. Nicht auf den Tag. Auf die Minute."

Fishel Rabinowicz schreibt es dem Glück zu, dass er den Holocaust überlebt hat, denn er war unter anderem in Autobahn-Baubrigaden eingeteilt, in denen die Sterblichkeitsraten der Häftlinge besonders hoch waren. "Ich hatte feuerrotes Haar, weshalb mich die Deutschen 'Rotkopf' nannten und mir leichtere Arbeiten als den anderen Gruppenmitgliedern gaben", erinnert er sich. Erst nach seiner Pensionierung fand Rabinowicz in der Malerei eine Möglichkeit, seine traumatische Lebensgeschichte aufzuarbeiten. Dennoch bleibt er - wie jeder einzelne Überlebende - psychisch von den Erfahrungen des Holocaust gezeichnet.

Darüber, wie Verfolgung und Völkermord in der NS-Zeit ihr Leben geprägt haben, berichten außerdem die Zeitzeugen Esther Bejarano, Henry G. Brandt, Ruth Melcer, Mano Höllenreiner, Senek Rosenblum, Abba Naor, Max Volpert, Heinz Kounio und Ernst Grube.

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Samstag, den 02.05.2020 um 21:45 Uhr auf ARD alpha.

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NS-Zeit und Folgen, Porträt/Biografie, Dokumentation/Reportage, Geschichte, 75 Jahre Kriegsende